Rückblick: Clubprogramm
Wirtschaftsjournalismus in der Krise - Eine Studie über den massenmedialen Umgang mit der Finanzmarktpolitik
Datum: Donnerstag, 11. 02. 2010
Uhrzeit: 19.30 Uhr
Ort: FPC, Saalgasse 30, 60311 Frankfurt
Als der globale Finanzmarkt zusammenbrach und die Weltwirtschaft fast in den Abgrund gerissen hätte, reagierten die meisten Wirtschaftsjournalisten der Tagespresse fassungs- und ahnungslos. Sie verhielt sich den Gesetzen und Regeln des globalen Finanzmarktes gegenüber wie ein ergrauter Stadtarchivar beim Anblick des ersten Computers mit einer Mischung aus Ignoranz und Bewunderung. Offenkundig ohne Wissen, wie der globale Markt funktioniert, und welche folgenreichen Zusammenhänge sich aufbauen schloss man sich im Zweifelsfall der vorherrschenden Meinung an. "Der tagesaktuelle Wirtschaftsjournalismus hat als Beobachter, Berichterstatter und Kommentator des Finanzmarktes und der Finanzmarktpolitik bis zum offenen Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise schlecht gearbeitet. Das journalistische Versagen ist in einigen Fällen so eklatant, dass es uns ausgeschlossen erscheint, einfach zur Tagesordnung über zu gehen.“ (Zitat: Arlt/Storz)
Die Autoren der Studie, die die Otto-Brenner-Stiftung gefördert hat:
- Dr. Hans-Jürgen Arlt, geboren 1948, arbeitet in Berlin als Publizist und Kommunikationsberater. Am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität sowie am Studiengang Gesellschafts- und der Wirtschaftskommunikation der Universität der Künste hat er Lehraufträge. Stationen: Studium in München und Erlangen Politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Soziologie. Anschließend (1977-1981) Redakteur der Nürnberger Nachrichten. Seit 1981 Pressesprecher, von 1990 bis 2002 Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Düsseldorf und Berlin; dazwischen ein zweijährigen Forschungsurlaub an der Universität Hamburg. Mehr unter www.kommunikation-und-arbeit.de.
- Dr. Wolfgang Storz, geboren 1954, Redakteur, Publizist, Lehrbeauftragter an den Universitäten Kassel und Frankfurt, Medien- und Kommunikationsberater. Stationen: politischer Korrespondent in Bonn (1985 bis 1995), tätig in Aus- und Fortbildung, Leiter Politik- und Nachrichtenredaktion bei der BadischenZeitung, Korrespondent/ Autor für Die Woche und DAS, Chefredakteur und Medienberater bei der IG Metall, stellv. Chefredakteur und Chefredakteur bei Frankfurter Rundschau (2000 bis 2006).
Podiumsgäste:
- Roland Tichy (55) Chefredakteur der Wirtschaftswoche in Düsseldorf ist seit 25 Jahren als Finanzjournalist für diverse Wirtschaftsmagazine tätig. Der studierte Volkswirt war von 1983 bis 1985 Mitarbeiter im Planungsstab des Bundeskanzleramtes und gehörte 1990/91 dem Beraterstab des Rundfunkbeauftragten in der "Einrichtung" (Hörfunk und Fernsehen der ehemaligen DDR). Damit hatte er maßgeblichen Einfluss auf die Reform der deutschen Rundfunklandschaft. Von 2002 bis 2007 war er Chefredakteur des Magazins Euro und stellv. Chefredakteur des Handelsblatt. 2007 übernahm er die Chefredaktion der Wirtschaftswoche. 2008 wurde er für seine frühzeitige Warnungen vor den Folgen der Finanzkrise mit dem Ludwig-Ehrhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet.
- Lucas Zeise (65) ist seit 25 Jahren Finanzjournalist in Frankfurt. Er war 1999/2000 an der Gründung der Financial Times Deutschland beteiligt und leitete deren Finanz-Ressort. Im Oktober 2008 erschien sein Buch zur Finanzkrise unter dem Titel 'Ende der Party'. Zeise schreibt eine vierzehntägliche Kolumne in der FTD.
Moderation:
- Florian Schwinn (56) Autor, Redakteur und Moderator beim Hessischen Rundfunk (HR2).





