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Die multikulturelle Gesellschaft und ihre Grenzen

Datum: Montag, 30.08.2010
Uhrzeit: 19.30 Uhr
Ort: FPC, Saalgasse 30, 60311 Frankfurt

 

Knapp sechs Monate ist es her, dass im offenen Dialog Frankfurter Bürger, Institutionen, Vereine, Verbände und Schulen bzw. Kindergärten in das Entstehen eines neuen Integrations- und Diversitätskonzept mit einbezogen wurden. Gestern Abend stellte sich die verantwortliche Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg der Diskussion im Frankfurter PresseClub. Ihr zu Seite: Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Polytechnischen Gesellschaft, die sich zu Aufgabe gemacht hat, Bildung und Verantwortung in der Stadtgesellschaft zu etablieren und zu fördern. Moderiert wurde der von über 40 Personen besuchte Abend von Dr. Matthias Arning (Frankfurter Rundschau).

Die Zusammensetzung der Besucherinnen und Besucher war im Gegensatz zu sonstigen Clubabenden diesmal sehr heterogen. Viele Nicht-Clubmitglieder und auch junge Leute hatten den Weg in die Saalgasse gefunden. Die Stuhlreihen waren gut besetzt. So verschieden die Menschen, so unterschiedlich die einzelnen Wortbeiträge: Vor allem viele persönliche Erfahrungen flossen in die Erzählungen und Fragen mit ein. Auch kristallisierte sich heraus, dass die Vorträge der beiden FPC-Gäste Eskandari-Grünberg und Kaehlbrandt manchem Zuhörer zu sehr von "political correctness" und "Friede, Freude, Eierkuchen" geprägt waren. Die Frage nach "was tun mit integrationsunwilligen Migranten" wurde häufiger gestellt. Sowohl Eskandari-Grünberg als auch Kaehlbrandt setzen beide auf Dialog, Austausch, Partizipation und Vernetzung, vor allem aber auf Bildung als Mittel zur Integration. Auch wenn vielen differenzierte Deutschkenntnisse erst einmal "banal" erschienen, seien sie die Grundlage von Integration: "Deutschkenntnisse sind essentiell" und "Bildung ein wichtiger Baustein von Integration und nicht davon trennbar" (Eskandari-Grünberg).

Auch Kaehlbrandt verspricht sich nur von einem ganzheitlichen Ansatz Erfolg: Nur durch "Familienansprache" erreiche man die Menschen, Politik alleine könne das nicht schaffen.

Während der Diskussion wurde die Diskrepanz zwischen den konkreten Projektbeispielen Kaehlbrandts ("Stadteilbotschaftern", "DeutschSommer") und den sehr allgemeine gehaltenen Ausführungen zum Integrationskonzept durch Eskandari-Grünberg kritisiert. Eskandari-Grünberg konnte aber den globaleren Ansatz und Anspruch des Integrations- und Diversitätskonzepts der Stadt Frankfurt deutlich machen. Das Konzept lege die Basis, um schon bestehende, zumeist unabhängig voneinander agierende Projekte zu vernetzen und so Synergien zu schaffen, die zu einem deutlicheren Mehrwert für die gesamte Stadtgesellschaft führen würden. Das Konzept sei ein "Beitrag zum öffentlichen Dialog, zur Basisdemokratie" und damit ein Perspektivenwechsel in der Integrationspolitik. Auf die Frage, wie in dem Zusammenhang das jüngst veröffentlichte Buch des Bundesbankvorstandsmitglieds Theo Sarrazin zu bewerten sei, setzte Eskandari-Grünberg auf Begegnung und Dialog. Man müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen.

Insgesamt zogen die Zuhörerinnen und Zuhörer ein positives Resümee: Man lebe gerne in dieser offenen und pulsierenden Stadt, in der 170 Nationen zu Hause seien.