Korporative Mitglieder im Gespräch – BDGW

19. OKTOBER 2021 | 19.30 Uhr | IN PRÄSENZ IM FRANKFURTER PRESSECLUB UND als Livestream auf YouTube und Facebook

Zu Gast
Michael Mewes (Vorstandsvorsitzender der BDGW / Vorstandsmitglied der Cash Logistik Security AG)
Dr. Harald Olschok (Hauptgeschäftsführer der BDGW)
Prof. Dr. Malte Krüger (Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Aschaffenburg)

Moderation
Arnd Festerling (FPC Vorstandsmitglied)

Bargeldinfrastruktur wegen hoher Kosten gefährdet

Serviceunternehmen hoffen auf Unterstützung durch Bundesbank und Politik

Der Trend zur Kartenzahlung geht unaufhaltsam weiter und das lässt sich auch nicht aufhalten, in Corona-Zeiten sei das Bargeld noch weiter zurückgedrängt worden, so dass inzwischen nur noch 32 Prozent der Ausgaben in bar bezahlt würden. In diesem Punkt waren sich die Podiumsgäste einig während des Clubabends „Hat Bargeld noch eine Zukunft?“ aus der Veranstaltungsreihe „Korporative Mitglieder im Gespräch“. Die Kreditkarten hätten durch die mächtigen dahinterstehenden Unternehmen eine starke Lobby, die dem Bargeld fehle, da damit in Zeiten des Niedrig-Zinses kein Geld zu verdienen sei. Während die Kreditkartenunternehmen für jede Transaktion Gebühren erheben dürften, sei es den Geschäftsbanken untersagt, die Ausgabe von Bargeld kostenpflichtig zu machen. Diesem Verbot stünden jedoch die steigenden Kosten der Infrastruktur bei geringerer Verwendung von Bargeld gegenüber. So führte Harald Olschok, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) an, dass die Bundesbank die Zahl ihrer Filialen, bei denen Geld abgehoben und eingezahlt werden könne, von ehedem 200 auf mittlerweile nur noch 31 reduziert habe. Diese Einsparung bei der Bundesbank bringe jedoch eine Kostensteigerung bei den Lieferdiensten als dem Bindeglied zwischen Einzelhandel und Bundesbank mit sich, die dadurch deutlich längere Fahrtwege in Kauf nehmen müssten. Michael Mewes, Vorstandsvorsitzender der BDGW, sah eine Lösung für diese wachsende Problematik in einer technischen Aufrüstung auf Seiten der Servicedienste. Da gebe es noch ein erhebliches Potential. Michael Krüger, Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Aschaffenburg, wollte allerdings auch die Bundesbank in die Pflicht nehmen, solange das Bargeld noch als ein öffentliches Gut angesehen werde. Von Seiten der politischen Parteien vermissten die die Verbandsvertreter deutliche Bekenntnisse zum Bargeld und vor allem konkrete Aktionen. Krüger meinte in diesem Thema stecke politisch „viel Musik“, was sich bei den Diskussionen um die Abschaffung des Fünfhundert-Euro-Scheins gezeigt habe. Die Verbandsvertreter wehrten sich dagegen, dass Bargeld häufig mit Kriminalität und Schwarzarbeit in Verbindung gebracht werde. Dies sei eine interessensgetriebene Argumentation. Dem gegenüber stehe die bisher ungelöste Problematik, dass bei einer vollständigen Umstellung auf elektronische Zahlmittel der Käufer vollkommen transparent in seinem Verhalten sei. Auf die Frage von Moderator Arnd Festerling nach der Bedeutung der Kryptowährungen wie Bitcoin, meinten die Podiumsgäste, dies sei eher ein Randphänomen für Spekulanten und zum Geldhorten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass diese Währung sich eines Tages auf breiter Ebene durchsetzen könnte. Für den Erhalt des Bargeldes führten die Diskutanten vor allem an, dass dieses als öffentliches Gut jedem zugänglich sein müsse, immerhin hätten rund eine Millionen Menschen in Deutschland noch nicht einmal ein Konto. Aber auch in Krisensituationen wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal oder bei einem allgemeinen Stromausfall zeige das Bargeld eine deutlich stärkere Resilienz als die elektronischen Zahlmethoden. Die Euphorie zur Abschaffung des Bargeldes habe inzwischen auch in den skandinavischen Ländern nachgelassen. So berichtete Mewes, es gebe mittlerweile sowohl in Norwegen als auch in Schweden Gesetze, die die Banken zur Aufrechterhaltung einer Grundversorgung mit Bargeld verpflichteten. Krüger warnte davor, dass die Verwendung von Bargeld durch Kooperationen zwischen großen Einzelhandelsketten und Kreditkartenunternehmen sehr schnell zurückgehen könne. Mewes drückte die Hoffnung aus, dass die Bundesbank, Verbraucher und Politik sich des Themas annehmen, damit die Infrastruktur für Bargeld nicht weiter ausgedünnt werde.

Michael Mewes
Dr. Harald Olschok
Prof. Dr. Malte Krüger
Arnd Festerling
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