Wordpress Titelbild FPC Clubabend Angriffe auf Berichterstattende

Bedrohung bei der Arbeit – Umgang mit Angriffen auf Berichterstattende im Corona-Kontext

22. Februar 2021 | 19.30 Uhr | ONLINE BEI ZOOM

Zu Gast
● Thomas Bärsch (ZDF – Landesstudio Sachsen)
● Kim Björn Becker (Politischer Redakteur bei Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
● Sophia Maier (Autorin und Reporterin bei stern TV)

Moderation
Karsten Frerichs (FPC Vorstandsmitglied)

Anstrengend aber wichtig

Erfahrungen mit der Berichterstattung über Demonstrationen der Impfgegner

Einmütig gestanden die Gäste des FPC Online-Clubabends ein, nach zwei Jahren Beichterstattung über Impfgegner der verschiedensten Schattierungen wegen der Dauerbeschäftigung mit einem Thema erschöpft zu sein. Ebenso einig, waren sie sich in der Einschätzung, wie wichtig eine differenzierte journalistische Arbeit zu diesem Thema ist. Sophia Maier von stern-TV stufte die Proteste und die zum Teil damit einhergehende Radikalisierung einer Minderheit als eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung ein, die unbedingt dokumentiert werden müsse. Während ihrer Tätigkeit bei Demonstrationen verspüre sie keine Angst. Allerdings gebe es ihr schon zu denken, wenn sie in der Folge der Berichterstattung Drohungen erhalte, man kenne sie und wisse auch, wo ihre Wohnung sei. Thomas Bärsch vom Landesstudio Dresden des ZDF berichtete von guten Gesprächen mit Demonstrantinnen und Demonstranten, in deren Verlauf der Aggressionslevel deutlich sinke. Die Menschen hätten ein Anliegen und fühlten sich dann ernst genommen. In seiner Arbeit wolle er dem Vorurteil entgegenwirken, die Medien interessierten sich nicht für den Protest.  Kim Björn Becker, Politik-Redakteur der F.A.Z. hat ebenfalls die Erfahrung bei seinen Kontakten mit Leserbriefschreibern gemacht, dass Aufmerksamkeit und ein Gespräch die angespannte Situation oft entspannen könnten. Allerdings sei der Ton in der letzten Zeit deutlich schärfer geworden. Versuche, ins Gespräch zu kommen, unternehme er erst gar nicht, wenn die Schreiben Beleidigungen und Bedrohungen enthielten. In diesem Fall drücke er einfach die Löschtaste. Moderator Karsten Frerichs fragte, wie denn einer Instrumentalisierung der Demonstrationen durch Rechtsradikale entgegengewirkt werden könne. Nach Auffassung von Bärsch wäre es schon hilfreich, differenziert die Realität darzustellen, ohne vorschnell und dann oft auch falsch einzuordnen. Becker und Maier warnten vor falschen Zuspitzungen in der Berichterstattung. So würden Demonstranten häufig pauschal als „Corona-Leugner“ bezeichnet. Dies träfe jedoch nur auf einen kleinen Teil zu. Das Verhältnis zwischen Journalisten und Polizei hat sich nach Darstellung von Sophia Maier deutlich verbessert. Während der Schutz der Berichterstatter früher für die Polizei ein nachgeordnetes Thema gewesen sei, gebe es inzwischen eine Reihe von Maßnahmen, wie das Einrichten von gesicherten Positionen, das Anbieten von Mobilfunk-Nummern und Ansprechpartnern. Bärsch ergänzte, dass er immer schon frühzeitig den Kontakt zu dem jeweiligen Pressesprecher suche. Allerdings müssten die Fernsehteams oft mit eigenen Sicherheitsleuten geschützt werden. Es sei nicht immer leicht, noch Teams für die Aufnahmen von diesen Demonstrationen zu finden und diese bestünden in der Regel auf zusätzlichen Schutzmaßnahmen, meinte Sophia Maier. Eine deutliche Erschwernis bedeuten nach Darlegung der Fernsehjournalisten die rechten Influencer und Youtuber. So komme es vor, dass ein Interview mit einem Demonstranten von zahlreichen Handys gefilmt und dann gleich in einen rechen Kontext gestreamt werde, meinte Maier. Das setze sie schon unter erhebliche Spannung. Bärsch regte an, die Medien müssten versuchen, die Impfgegnerinnen und Impfgegner in ihrer Blase zu erreichen. So sei es durchaus sinnvoll, auch auf Telegram Filmausschnitte zu posten und auf die Quelle zu verweisen. Da die Gäste einheitlich leicht abnehmende Zahlen bei den Demonstrationen feststellten, tauchte die Frage auf, wie es weiter gehen werde. Ohne eine Prognose abgeben zu wollen, meinte Becker, das Thema Klimawandel liege für eine nächste Protestwelle auf der Hand.

In Kooperation mit

Thomas Bärsch
Kim Björn Becker
Sophia Maier
Karsten Frerichs
© Barbara Walzer

Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal

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