Fakten checken, Videos entlarven – das ZDF “Verification Team”

23 MAI 2022 | 19.30 UHR | ONLINE BEI ZOOM

ZU GAST
Julia Maas (Wissenschaftliche Dokumentarin – ZDF Verification-Team)
Jörn Ratering (Rechercheur – ZDF Verification-Team)

MODERATION
Michaela Schmehl (FPC Vorstandsmitglied)

Den Fälschern auf der Spur

Das Verification-Team des ZDF berichtet über Bilderanalysen

Nach dem Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan und dem Fall von Kabul haben sich aus Sicherheitsgründen zunächst auch die meisten Berichterstatter aus dem Land zurückgezogen. In dieser Zeit gab es eine Flut von Bildern in den Sozialen Medien und wenig seriöse Informationsquellen. Diese Situation bedeutete für das schon vorher gegründete Verification-Team des ZDF in der Abteilung Archiv, Information und Dokumentation (AID) den Durchbruch im Hause. Eine vergleichbare Situation entwickelte sich dann mit dem Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine. In beiden Fällen mussten Videos und Fotos daraufhin überprüft werden, ob sie einen auf Tatsachen basierenden Nachrichtengehalt haben oder ob es sich um Fälschungen handelt, die eher der Desinformation dienen. Über diese penible Arbeit haben Julia Maas und Jörn Ratering auf dem Online-Clubabend des FPC detailliert berichtet. Da zu den Urhebern der Aufnahmen in der Regel kein Kontakt besteht, überprüfen sie das Material mit einer sehr großen Palette von Tools, die oft problemlos im Netz zugänglich sind. So konnten sie im Falle des Beschusses des Flughafens von Winnyzia in der Ukraine den Standpunkt der Kamera ermitteln, in dem sie mit Hilfe von Google-Stree-View ein einzelnes Haus mit einem blauen Dach, das kurz zu sehen ist, ausfindig machen konnten. Nach dem Beschuss des russischen Kriegsschiffes Moskwa verbreitete sich schnell im Netz ein Film mit dramatischen Explosionsaufnahmen. Durch eine sogenannte Rückwärtsrecherche entdeckte das Team, dass es sich dabei um einen Werbefilm der Rüstungsindustrie aus dem Jahr 2013 handelte. Ein anderes Video, das sehr ungewöhnliche Explosionen in der Luft zeigte, sollte den Abschuss von mehreren Hubschraubern belegen. Tatsächlich handelte es sich dabei um Szenen aus einem Computerspiel. Das Bild eines zerstörten Flachbaus konnte mit Hilfe von Google-Lens entschlüsselt werden. Dazu wurde eine Aufschrift ausgeschnitten und in das Recherche-Tool gegeben. Umgehend erschien das Bild eines intakten Fitness-Studios. Zu erheblichen Teilen arbeiten diese Tools mit künstlicher Intelligenz. Weitere Parameter, mit denen Bilder untersucht werden, sind unter anderem die Geodaten, Wetterverhältnisse, Sonnenstand und natürlich auch die Metadaten der Dateien. Die beiden Bild-Analytiker warnten vor der oft manipulierenden Wirkung des Sounds. Sie führten ein bei TikTok veröffentlichtes Video eines Influencers vor, das ein Wohnviertel zeigte und mit sehr lautem Sirenenklang und Schluchzen unterlegt war. Der Autor hat mit diesem Video wohl durchaus erfolgreich um Spenden gebeten, obwohl es sich dabei um einen Fake handelte. TikTok wurde von dem Team als eine neue Quelle von vielen Informationen aber auch als ein Einfallstor für Desinformation charakterisiert. Co-Moderator Karsten Frerichs fragte nach der psychischen Belastung, die das Sichten von grausamen Aufnahmen bedeute. Julia Maas berichtete von Sozialbetreuung, die es bei Bedarf im ZDF dafür gebe. Aber um sich zu schützen, schalte sie bei der Arbeit meist den Ton der Videos aus, da der Klang oft emotional noch zusätzlich einiges auslöse. Jörn Ratering fasste zum Schluss noch die eigene Richtlinie zusammen: wenn es Zweifel gebe, laute die Empfehlung an die Redaktion, eher ablehnen als es freizugeben. Wobei es oft schwieriger sei, die Echtheit zu beweisen als ein Fake zu entlarven. Die Gäste des Abends bekamen einen spannenden Einblick in eine zusehends wichtiger werdende Sparte des Journalismus und dankten es mit zahlreichen positiven Kommentaren.

In Kooperation mit:

Julia Maas
Jörn Ratering
Michaela Schmehl
© Barbara Walzer

Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal

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