Qualitätsjournalismus in Krisenzeiten

29 JUNI 2022 | 19 UHR | MUESUM FÜR KOMMUNIKATION, SCHAUMAINKAI 53, 60596 FRANKFURT

ZU GAST
Ulli Janovsky (Leitung hr-iNFO)
Carsten Knop (Herausgeber der F.A.Z.)
Maren Urner (Professorin für Medienpsychologie an der HMKW – Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Köln)

MODERATION
Sylvia Kuck (hr-iNFO)

Vom Gate-Keeper zum Gate-Watcher

Kooperationsveranstaltung im Museum für Kommunikation

Die Qualitätsmedien erreichen heute wesentlich mehr Menschen als noch vor einigen Jahrzehnten, insofern stehe es um den Qualitätsjournalismus nicht ganz so schlecht. Dieses Resümee hat FAZ-Herausgeber Carsten Knop auf einer Kooperations-Veranstaltung des Museums für Kommunikation, des Hessischen Rundfunks und des FPC gezogen. Die Erhöhung der Reichweite führte Knop vor allem auf das Digitale zurück. Einig waren sich die Neurowissenschaftlerin Maren Urner, der Leiter von hr-Info Ulli Janovsky und Carsten Knop in der Einschätzung, dass es keine neutralen Nachrichten gibt. Urner führte aus, räumliche, zeitliche und auch soziale Nähe von Ereignissen beeinflussten unser Gehirn und regten es zu unterschiedlichen Handlungsweisen an. Sie wandte sich gegen eine vermeintliche Neutralität von Nachrichten. Es gebe keine höhere Instanz der Wahrheit und Redakteure sollten das nicht vortäuschen. Stattdessen sollten sie den Medienkonsumenten die Grenzen ihrer Recherchen erläutern und möglichst transparent arbeiten. Auch Knop pointierte, Texte würden natürlich von Menschen und nicht von Maschinen geschrieben. Allerdings sei es Aufgabe der Journalisten, Nachrichten möglichst sachlich zu verfassen und die eigene Meinung davon zu trennen und im Kommentar niederzulegen. Wie schwierig die vorsichtige Beschreibung von Sachverhalten sein kann, erläuterte Ulli Janovsky an dem Beispiel des Monitor-Redakteurs Georg Restle. Dieser war bei dem Fund von Leichen in der Ukraine anwesend, die mit größter Wahrscheinlichkeit von russischen Truppen misshandelt und ermordet worden waren. Doch allein seine Formulierung „mutmaßlich“ brachte ihm einen Shitstorm ein. Aber es sei genau die Aufgabe von Berichterstattern, Zweifel zu formulieren auch wenn Sachverhalte scheinbar offensichtlich seien, meine Janovsky. Urner ging auf das Phänomen ein, dass sich viele Menschen von den Medien abgewandt hätten. Eine weltweit angelegte Studie von Reuters habe gezeigt, diese Medienkonsumenten fühlten sich überfordert von den vielen Problemen und Krisen, über die berichtet werde. Sie warf die Frage auf, wie sich Journalismus ändern müsse um dieser Nachrichten-Vermeidung entgegen zu wirken. Auch Knop konnte den Wunsch nach positiven Artikeln beobachten. So liefen im Netz alle Sorten von Ratgeber-Artikeln besonders gut. Der Wandel der Medienlandschaft von einer reinen Senderwelt in früheren Zeiten in ein Feld des Dialogs wurde von keinem der Podiumsteilnehmer bedauert. Vielmehr meinte Knop, der Redakteur müsse den Dialog mit dem Leser führen und dies mache ihn auch besser. Selbst wenn durch die Distanz des Netzes sich viel Aggression entlade, so seien doch immer noch recht viele fundierte Zuschriften in den elektronischen Medien zu verzeichnen, meinte der Herausgeber. Allerdings habe sich durch das Internet die Aufgabe der Journalisten erheblich verändert, formulierte Janovsky. Inzwischen könne jeder senden und sich alle Nachrichten besorgen. Ein Trump erreiche sogar 90 Millionen Follower über Twitter. Insofern liege heute die Aufgabe der Medien vor allem darin, Nachrichten zu sortieren und einzuordnen. Urner fasste es zusammen mit der Bemerkung, die Medien seien vom Gatekeeper zum Gatewatcher geworden. Die von Sylvia Kuck geleitete sehr lebhafte Diskussionsrunde fand im Zusammenhang der beiden Ausstellungen des Museums für Kommunikation statt: „On air“ und „Funk für Fans“.

Ulli Janovsky
Foto © hr / Ben Knabe
Carsten Knop
Foto © Barbara Walzer
Maren Urner
Foto © Lea Franke

Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal

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