Europäische Presseclub-Föderation mit neuem Vorsitz aus Genf

Genf - Der Swiss Club de la Press in Genf hat für ein Jahr den Vorsitz der Föderation Europäischer Presseclubs übernommen. Sein Präsident Guy Metan, der schon seit vielen Jahren aktiv in der Vereinigung der Presseclubs aus allen Teilen Europas mitarbeitet, führt sie somit bis Mitte 2017. Auf der Jahreskonferenz der Föderation in Genf übernahm er den Vorsitz vom Presseclub Circolo della Stampa in Mailand, der seit 2015 die Präsidentschaft innehatte.

Traditionell treffen sich die Vertreter der beteiligten Presseclubs einmal im Jahr in wechselnden Städten zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Der die Konferenz ausrichtende Presseclub übernimmt dabei jeweils für ein Jahr die Präsidentschaft. 2012 war die Konferenz zuletzt in Frankfurt, der Frankfurter Presseclub führte den Vorsitz dann bis zur nächsten Jahresversammlung Mitte 2013 in Brüssel. Es ist hochinteressant und gewinnbringend für alle Beteiligten, die unterschiedlichen Strukturen und Herangehensweisen der jeweiligen Partnerclubs kennenzulernen. Beim Bericht aus Frankfurt stieß unser Format der Netzwerkveranstaltungen auf besonderes Interesse. Es gab mehrere Nachfragen, der ein oder andere Club aus Europa will prüfen, ob dieses oder ein ähnliches Format auch dort aufgegriffen werden kann.

Der Genfer Presseclub hat sein Domizil im Diplomatenviertel der Schweizer Stadt, die noch stärker als Frankfurt international geprägt ist. Die Genfer Kantonsregierung hat die Räumlichkeiten dem dortigen Presseclub unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Im selben Haus finden auch Konferenzen und Workshops anderer Institutionen mit ausländischen Gästen statt. Unter den Mitgliedern des Genfer Presseclubs sind viele Korrespondenten aus dem Ausland, schließlich sind in der Stadt eine große Niederlassung der Vereinten Nationen und auch das Internationale Rote Kreuz ansässig. Zum Diskussionsaustausch trafen sich die Teilnehmer der Konferenz Europäischer Presseclubs im UNO-Sitz am Genfer See auch mit dem dortigen Generaldirektor Michael Moeller aus Dänemark.

Der Presseclub Jerusalem berichtete bei der Tagung unter anderem über seine erfolgreiche internationale Konferenz zum Thema Pressefreiheit im vergangenen Jahr, der 2017 eine weitere folgen soll, sowie einen anstehenden Karikaturenwettbewerb. Weiter vertreten waren in Genf die Presseclubs aus Warschau, Paris, London, Brüssel, Mailand, Minsk und natürlich Frankfurt. Da die Tagung zeitlich mit der Internationalen Presseclub-Föderation verbunden war, nahmen zudem auch Vorstandsmitglieder oder Geschäftsführer(innen) aus New York, Neu-Delhi, Singapur und Kigali (Ruanda) teil. Der weißrussische Presseclub aus Minsk wurde in Genf neu in die Europäische Föderation aufgenommen. Er vereinigt erstmals sowohl Journalisten aus staatlichen wie auch privaten Medien und hat seine Unabhängigkeit von der Regierung auch mit Referenten der Medienlandschaft etwa aus Großbritannien, Polen und den USA bei seinen Veranstaltungen unter Beweis gestellt.

Probleme mit der Pressefreiheit gibt es auch in Warschau unter der neuen polnischen Regierung der nationalkonservativen Partei PiS. So berichtete der Vertreter des dortigen Presseclubs von einem Protest gegen die Suspendierung eines Sportredakteurs beim polnischen Fernsehen, der in einem Interview die zunehmende politische Einflussnahme beklagt hatte. Geführt wurde dieses Interview übrigens von der Vizepräsidentin des Warschauer Presseclubs, die in Genf auch selbst anwesend war.

Entschuldigt von den europäischen Presseclubs waren in diesem Jahr die aus Wien, Barcelona, Lissabon, Montpellier sowie der Klub Internationaler Kolumnisten aus Warschau, die sonst ebenfalls zu den aktiven Mitgliedern gehören (warschau ist als einzige Stadt zweimal vertreten). Aber auch Prag ist in der Föderation vertreten sowie bislang Lyon, dessen Presseclub aber nach einem Führungswechsel kein Interesse mehr an der Mitarbeit hat und ausgetreten ist.

Der am stärksten international geprägte Presseclub der Europäischen Föderation ist - nicht überraschend - Brüssel. Er wird von einem gerade in den Ruhestand getretenen amerikanischen Wirtschaftskorrespondenten als Präsident sowie von einer albanischen Fernsehreporterin bei der EU und einer italienischen Journalistin als Vizepräsidenten geführt. Themen wie Überalterung der aktiven Mitgliedschaft, finanzielle Einbußen usw. beschäftigen mehrere europäische Presseclubs, aber ebenso - wie in Frankfurt - die Suche nach neuen Formate, um diesem Trend zu begegnen.

Autor: Gerhard Kneier


1992 gründen zwölf Presse-Clubs aus neun Ländern die Föderation Europäischer Presse-Clubs. Von Anfang an aktiv dabei: der FPC. Die Föderation will den europäischen Gedanken pflegen und insbesondere an der Entwicklung der freien Presse mitwirken. Schöner Nebeneffekt: FPC-Mitglieder können auch die Angebote aller Partnerclubs nutzen.


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