Rückblick Clubabend Preiswürdige Zeitungskonzepte

In Kooperation mit:

Zu Gast

Michael Tillmann
Chefredakteur der Fuldaer Zeitung
Fotoquelle www.fuldaerzeitung.de

Uwe Vetterick
Chefredakteur der Sächsischen Zeitung
Foto © ronaldbonss.com/ Ronald Bonss


Moderation

Michaela Schmehl
FPC Vorstandsmitglied
Foto © Barbara Walzer

Näher an die Lebenswirklichkeit der Leser

Zwei unterschiedliche Zukunftskonzepte für Zeitungen


Wie lange es noch gedruckte Zeitungen geben wird, darüber wollte weder Uwe Vetterick, Chefredakteur der Sächsischen Zeitung, noch Michel Tillmann, Chefredakteur der Fuldaer Zeitung, eine Prognose abgeben. Mit ganz unterschiedlichen Konzepten führen die beiden Gäste des FPC-Clubabends ihre Medien zum Erfolg und sind erst kürzlich dafür mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet worden. Tillmann stellte allerdings klar, dass die Fuldaer Zeitung eigentlich kein Newspaper mehr sei. Von den aktuellen Nachrichten hätten sie sich weitgehend verabschiedet, da eine Zeitung gegen die Aktualität des Internets nicht ankommen könne. Stattdessen setze das Blatt auf mehr Meinung und mehr Hintergrund. Das Konzept der Publikation wurde in jeder Hinsicht radikal umgestellt, so werden die Leserinnen und Leser mit großzügigen und provokanten Illustrationen auf der Titelseite angesprochen. Eine Schlüsselrolle für die so umgestaltete Zeitung spielt auch die Position der eigens dafür eingestellten Art-Direktorin. Auf die entsprechende Frage von Moderatorin Michaela Schmehl, berichtete er, die Redaktion habe diesen ungewöhnlichen Weg auch zu erheblichen Teilen selbst entwickelt. Laut Tillmann haben die Leser diesen Umbruch gut mitgemacht, es habe wenig negative Rückmeldungen gegeben. Die Kritikerinnen und Kritiker habe das Haus zu Redaktionsbesuchen und Diskussionsrunden eingeladen, was erheblich zur Akzeptanz beigetragen habe. Bei dem Online-Auftritt setze der Verlag auf Reichweite und nicht auf Bezahlmodelle. Die Reichweite werde vor allem mit kontroversen überregionalen Themen erreicht und zeige eine Zuwachsrate von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Einen ganz anderen Weg als Tillmann ist Uwe Vetterick mit der Sächsischen Zeitung gegangen. Noch seien die Zeitungs-Abos der Generation über siebzig die finanzielle Säule des Hauses. Doch die der Rückgang sei absehbar, und daher müssten vor allem auch junge Menschen an die Publikation gebunden werden. Mit diesem Ziel hat Vetterick die Parole ausgegeben „Online first“. Die Zeitung sollte dann aus den im Netz veröffentlichten Artikeln gemacht werden. Doch nur ein Teil der Inhalte des Online-Auftritts funktionierte auch für eine gedruckte Zeitung. Damit die Printausgabe ihre Qualität und ihre Abonnenten nicht verliert, mussten neue Kapazitäten geschaffen werden. In einer ersten Untersuchung stellte das Haus fest, dass die Redaktionsarbeit ziemlich weit von der Lebensrealität der Leser entfernt war. Da die Menschen sehr viel mobiler geworden seien, hätten die kleinteiligen Lokalausgaben nicht mehr dem Interesse der Leser entsprochen. Zunächst seien zwei bisher eigenständige Redaktionen von Zittau und Löbau zusammengelegt worden. Die Verringerung des Platzes für die einzelnen Ortschaften sei von den Abonnenten gut akzeptiert worden. Lediglich Entscheider hätten sich darüber beschwert, ihre Pressemeldungen würden nun kaum noch gedruckt. Aber Diskussionsrunden mit ihnen und der Nachweis, dass diese Presseerklärungen kaum gelesen würden, habe dann auch die meisten von ihnen überzeugt. Und schließlich habe man den Entscheidern aufgrund der eigenen Untersuchungen auch Hinweise geben können, welche Themen die Bevölkerung interessiere. Zum Erstaunen von vielen sei es nicht die Bewerbung Dresdens für den Titel Kulturhauptstadt 2025 gewesen. Die beiden Chefredakteure haben an diesem gemeinsam mit der Evangelischen Akademie veranstalteten Abend eindrucksvoll gezeigt, welche Möglichkeiten der Journalismus im Kampf um Leser noch hat.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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