Rückblick Clubabend Ansprüche an Medien(schaffende) in der Coronakrise

In Kooperation mit der:

Zu Gast

Korinna Hennig
NRD-Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin von "Das Corona Virus Updates mit Christian Drosten“

Foto © NDR

Markus Knauff
Professor für Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Foto © Privat


Moderation

Jana Kötter
FPC Vorstandsmitglied

Foto © Privat

Medien zwischen Komplexität und Vereinfachung

Die Berichterstattung über die Corona-Krise


„In der unübersichtlichen Lage der Corona-Krise können die Journalisten immer nur vorläufige Fakten bieten, die jeweils Puzzle-Teile zu einem Gesamtbild bilden. Schwarz und Weiß gibt es nicht, deshalb müssen die Berichterstatter immer sehr genau auf die Formulierung achten.“ Mit diesem Statement während des FPC-Clubabends im Video-Format hat Korinna Hennig, die für den NDR den Drosten-Podcast betreut, die schwierige Aufgabe der Medien umrissen. Markus Knauff, Professor für Kognitionsforschung an der Universität Gießen, spitzte die Herausforderung für Journalistinnen und Journalisten noch weiter mit der Bemerkung zu, Menschen könnten nicht gut mit Unsicherheiten umgehen. Deshalb neigten sie dazu, die Komplexität von Sachverhalten für sich zu reduzieren. Wenn zusätzlich noch Angst ins Spiel komme, hätte die vernünftige Abwägung es noch schwerer. Korinna Hennig formulierte als Anspruch des Drosten-Podcast, möglichst differenziert und aktuell zu informieren. Schwierig werde es dann, wenn die Social-Media-Redaktion sehr reduzierte Zusammenfassungen und Schlagzeilen für ihre Kanäle anfordere. Denn aus dem Gesamtzusammenhang gerissene Teilinformationen könnten dann vollkommen anders interpretiert werden, als sie ursprünglich im Kontext gemeint seien. Aber von Zuhörern gebe es auch den Wunsch nach Komplexität und Differenziertheit, die Redaktion solle nicht zu sehr vereinfachen. Das Einordnen von Forschungsergebnissen und auch die Benennung von Feldern, für die es keine Erkenntnisse gebe, habe daher eine große Bedeutung. Korinna Hennig erwähnte, dass der Podcast inzwischen fast 50 Millionen Aufrufe zu verzeichnen habe, dahinter stehe jedoch keine riesige Redaktion, sondern lediglich ein kleines Team von eineinhalb Personen.

Zum Thema Zahlenangaben meinte Knauff in Abwandlung eines bekannten Zitates: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst verstanden hast.“ In der Anwendung dieses Leitsatzes durch die Redaktionen gebe es noch genug Luft nach oben. Kritisch beurteilte er auch den Einsatz von Grafiken. Entgegen dem vermittelten objektiven Anschein, wirkten sie oft suggestiv. Moderatorin Jana Kötter fragte nach dem Verschwimmen der Trennungslinien von Wissenschaft und Politik. Knauff meinte, eine wertneutrale Wissenschaft sei zwar wünschenswert, aber trotzdem müssten die Wissenschaftler sich bewusst sein, dass ihre Erkenntnisse Teile von Entscheidungsprozessen seien. Korinna Hennig bezog das auf die Rolle von Christian Drosten: Er könne der Politik Hilfen für ihre Entscheidungen geben, aber diese müsse dann die Abwägung von virologischen Aspekten mit anderen Gesichtspunkten wie der Notwendigkeit von Bildung für junge Menschen selbst wahrnehmen.

Auf die Frage, was man aus der Corona-Krise lernen könne, wünschte sich Knauff, der Journalismus solle weniger marktschreierisch sein und sich nicht von der Dynamik der Social Media treiben lassen. In jedem Fall müsse die Kommunikation zur Corona-Krise aufgearbeitet werden. Dies sei leider seinerzeit bei der Schweinepest nicht geschehen, bei der nach großer medialer Aufregung real nicht sehr viel passiert sei. Korinna Hennig formulierte, die große Resonanz auf den Podcast zeige, dass man die Menschen ernst nehmen und sich auch die Mühe machen müsse, komplizierte Sachverhalte erklärend zu kommunizieren. Auf die Frage von Co-Moderatorin Anke Knafla, ob denn die Medien ihrer Verantwortung bisher gerecht geworden seien, gab Hennig zu bedenken, Medien müssten sich auch in so einer Situation immer wieder fragen, ob sie denn wirklich substantielles zum Thema zu berichten hätten. Wenn nicht, sollte sie es auch bleiben lassen.


Text mü

Mitglied im FPC werden

Newsletter abonnieren

Kein Mitglied im FPC und trotzdem möchten Sie keine unserer Veranstaltungen verpassen? Dann werden Sie jetzt Teil des FPC Netzwerkes! Registrieren Sie sich einfach unter dem angegeben Link.

Hier geht es zur Registrierung!

Tagungsräume mieten

Tagungsort Broschüre

Soziale Netzwerke

Franz

Kontakt

069 71379609

E-Mail schreiben

Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 11.30 - 2.00 Uhr
und Sonntag: 18.00 - 2.00 Uhr
Samstag ist Ruhetag