Rückblick Clubabend Ippen

In Kooperation mit:

Zu Gast

Markus Knall
Chefredakteur der Ippen Digital Zentralredaktion

Foto © hr/Katrin Denkewitz


Moderation

Karsten Frerichs
Chefredakteur Evangelischer Pressedienst

Foto © epd-bild/Heike Lyding

Journalisten als Vertriebsprofis

Markus Knall, Leiter der Ippen Online-Redaktion, zu Gast beim FPC


Als ein ununterbrochen lernendes System hat Markus Knall, der Leiter der Ippen Digital Zentralredaktion Mitte auf dem FPC-Clubabend die Online-Redaktionen seines Verlages beschrieben. Da der Markt die Nutzerstrukturen immer wieder verändere, müssten ständig neue Wege und andere Modelle erprobt werden. Derzeit müsse eine große Aufbauarbeit geleistet werden, da der digitale Journalismus noch ganz jung sei und in den Kinderschuhen stecke. Im Gegensatz zu dem klassischen Textjournalismus werde er von den technischen Neuerungen getrieben. So habe das Aufkommen der Plattform TikTok natürlich sofort die Frage aufgeworfen, welche Chancen das für den Journalismus biete und welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien.

Knall grenzte die Politik des Ippen-Verlages mit der Parole „radikal digital“ deutlich ab zu den früheren Versuchen von Zeitungen, ihre Inhalte eins zu eins ins Internet zu übernehmen. Heute müssten die Redakteurinnen und Redakteure Distributionsprofis und damit ständige Blattmacher sein, die sich mit der journalistischen Seite des Vertriebs beschäftigten. Während früher einmal eine Überschrift festgelegt und einmal das Blatt fertiggestellt wurde, geschehe dies im Online-Geschäft ununterbrochen. Die Beschäftigten müssten sowohl auf den Nachrichtenstrom als auch auf den Markt schnell reagieren. Laufe ein Artikel nicht und liege das möglicherweise an der Überschrift, müsse sie sofort geändert werden. Da diese Qualifikationen auf dem Markt derzeit nicht zu finden seien, bilde der Verlag auch entsprechend aus. Als Beispiel für diese Art der Tätigkeit führte Knall den SEO-Redakteur an. Dieser müsse einen Text nach den Kriterien von Suchmaschinen und den gerade umgangssprachlich gängigen Ausdrücken umarbeiten. Da die Mehrheit der Bevölkerung anstelle des Wortes Fernsehen das Kürzel TV benutze, müsse dieses Kürzel angewandt werden. Und weil die Suchmaschine Synonyme nicht entsprechend bearbeiten könne, müsse auch immer wieder das Reizwort TV eingesetzt werden, um beim Vertrieb des Artikels Erfolg zu haben. Knall machte keinen Hehl daraus, dass diese Mechanismen auch die Sprache verändern werden. Den kritischen Einwand von Frerichs, ob denn bei dieser Herangehensweise die Inhalte nicht auf der Strecke blieben, wollte Knall nicht gelten lassen. Bei 1500 zu bearbeitenden Texten pro Tag, gehe es nicht um die Tiefe, sondern um die Auswahl für den Leser.

Moderator Frerichs fragte nach der Betreuung der Portale ganz unterschiedlicher Zeitungen durch eine Zentralredaktion. Knall erläuterte, der Verlag habe für jede seiner Tageszeitungen Profile erarbeitet. Die Redakteurinnen und Redakteure müssten diese beherrschen und ein Bewusstsein für die einzelnen Marken haben. In hoher Geschwindigkeit müssten sie daher entscheiden, für welches Medium die jeweilige Nachricht interessant sei. Das sei bei internationaler Politik verhältnismäßig einfach, differenziere sich aber stark bei den regionalen Nachrichten.

Derzeit finanziert sich die Online-Redaktion des Ippen-Verlages nahezu ausschließlich aus Anzeigen. D.h. das Haus setzt auf die Reichweite seiner Produkte. Eine Paywall hält Knall nicht für realistisch für seinen Verlag, auch wenn es wünschenswert sei, dass der Leser für die journalistische Arbeit auch bezahle. Da die Reichweite aber insbesondere bei kleineren Regionalzeitungen überschaubar sei, teste sein Haus dafür auch unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Optimistisch zeigte sich Knall zum Abschluss der in Kooperation mit der Evangelischen Akademie abgehaltenen Veranstaltung zu den Folgen des Corona-Jahres und der Präsidentschaft von Donald Trump. Beide Ereignisse hätten den Wunsch nach zuverlässigen Informationen deutlich stärker werden lassen und dies werde auch so bleiben, meinte er. Der schnelle Disput zwischen Moderator Frerichs und dem Gast Knall hat den Zuhörern einen wichtigen Ausblick in die Entwicklung eines Segments des Journalismus gegeben.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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