Rückblick Recherche in Corona-Zeiten

In Kooperation mit:

Zu Gast

Kim Björn Becker
Politische Redaktion Frankfurter Allgemeine Zeitung

Foto © Helmut Fricke

Detlef Hans Franke
Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der FuP Kommunikations-Management GmbH mit dem Branchenschwerpunkt Gesundheit / Kliniken

Foto © FuP Kommunikations Management

Stefan Majer
Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt

Foto © Privat


Moderation

Jana Kötter
FPC Vorstandsmitglied

Foto © Privat

Eine außergewöhnliche Herausforderung

Online-Clubabend zur Recherche in Corona-Zeiten


Als Journalist über fünf Wochen lang seine Recherchen nur per Telefon von zuhause aus zu machen, war für F.A.Z.-Redakteur Kim Björn Becker eine besondere Erfahrung. Während des Online-Clubabends des FPC zu dem Thema Recherche in Corona-Zeiten schilderte er, wie sehr es ihm gefehlt hat, nicht vor Ort zu sein und Dinge zu sehen und Stimmungen wahrzunehmen. Den Gesundheitsämtern und Krankenhäusern stellte er ein gutes Zeugnis aus. Er habe eine bemerkenswerte Offenheit und Gesprächsbereitschaft vorgefunden - zumindest wenn das Geschehen unter Kontrolle war. So sei er bei seiner ersten Dienstreise in ein Krankhaus in Gütersloh dort mit offenen Armen empfangen worden und habe sich durch eigene Anschauung ein Bild machen und die Arbeit der Containment Scouts, also der kurzfristig eingestellten Hilfskräfte, beobachten können. Die Situation habe sich aber nach dem Ausbruch der Infektionen bei Tönnies vollkommen verändert, Rückmeldungen auf Anfragen seien dann eher spärlich ausgefallen. Allerdings sei das auch verständlich gewesen, da die Ressourcen dann anders eingesetzt werden mussten. Auf die Frage von Moderatorin Jana Kötter, ob denn die Journalistinnen und Journalisten ausreichend Fingerspitzengefühl gezeigt hätten, zeigte sich der Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt Stefan Majer nicht durchgängig zufrieden. Es habe in der Berichterstattung der Medien auch erhebliche Verkürzungen und Verdrehungen gegeben, was in einer solchen Gemengelage fatal gewesen sei. Die Stadt habe schon bald eine eigene Abteilung für die Krisenkommunikation gebildet, um so eine einheitliche Darstellung nach außen zu gewährleisten. Detlef Hans Franke, dessen Agentur unter anderem Kliniken in ihrer Kommunikation berät, sah in den Journalistinnen und Journalisten Bündnispartner. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser hätten die durch die Medien vermittelten Informationen dringend benötigt. Umgekehrt hätten die Journalisten die frühzeitig und offen vermittelten Fakten wiedergegeben und zur Transparenz der Situation beigetragen.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer in der Einschätzung, dass die Corona-Krise eine ganz außergewöhnliche Herausforderung für alle Kommunikatoren war und ist. Becker bekannte, insbesondere am Anfang von der Flut der Informationen extrem gefordert gewesen zu sein und gleichzeitig wahrgenommen zu haben, wie wenig man weiß. Majer berichtete von einem Déjà-vu-Erlebnis und dachte an die Zeit als Aids aufkam. Gleichwohl habe niemand vorher Corona gelernt, vielmehr sei jeder Tag insbesondere am Anfang vollständig neu gewesen. Franke beschrieb die Situation als überraschend neu und nicht absehbar, dennoch habe in seiner Agentur schon bald auch die Routine der Krisenkommunikation gegriffen. Für die Krankenhäuser sei es allerdings komplizierter gewesen, da die Pandemiepläne für die durch Corona verursachte Krise nicht geeignet waren.

Die Gegensätzlichkeit der Interessen von Journalisten und Politik hob Becker hervor. Es sei Aufgabe der Journalisten Politik und Verwaltung durch kritische Berichterstattung zu kontrollieren. Der Journalist müsse die notwendige Distanz wahren und bei der Besichtigung einer Klinik auch mitdenken, was er nicht zu sehen bekommen. Trotzdem habe sich auch eine Art Schicksalsgemeinschaft gebildet, da alle das Bestreben hatten, auf einen soliden Faktenboden zu kommen. Dass ein Redakteur in dieser zugespitzten Situation bei ausbleibender Antwort auch mal etwas weniger aggressiv nachhake als sonst, sei jedoch nur menschlich.

Bei dem abschließenden Blick in die Zukunft meinte Majer, die Politik müsse der „Expertokratie“ entgegenwirken. In der Vergangenheit habe sich jeder zum Experten in Sachen Corona erklärt und oft sei unklar geblieben, was fundiertes Wissen und was Fake-News gewesen seien. Da käme den Medien eine wichtige Rolle beim Vorsortieren zu. Auch müsste die Rollenverteilung zwischen Wissenschaftlern, Politikern und Medienschaffenden klarer gelebt werden. Becker äußerte, bei einer zu befürchtenden zweiten Welle müssten sich auch die Medien fragen, ob sie Fehler in der Berichterstattung gemacht haben und welche Verantwortung sie tragen. Allerdings sei es nicht Aufgabe der Medien, Menschen zu erziehen. Franke resümierte, in Zukunft müsse das soziale Miteinander wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Am Ende des spannenden Abends blieb die Hoffnung, dass bei einer zweiten Welle Fehler aus der Anfangszeit vermieden werden und die Kommunikation von allen Seiten aus besser verläuft.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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