Rückblick Clubabend Kommunikationskrieg

In Kooperation mit:

Zu Gast

Mathias Müller von Blumencron
Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels
Foto © Tagesspiegel / Kitty Kleist-Heinrich

Prof. Yvonne Hofstetter
Juristin / Essayistin und Autorin des Buches „Der unsichtbare Krieg“
Foto © Bertelsmann


Moderation

Morten Freidel
Politikredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
Foto © Helmut Fricke

Sich dem kommunikativen Wettbewerb stellen

Clubabend zu den Folgen der digitalen Revolution für den Journalismus


Die digitale Revolution und die Entwicklung des World Wide Web sei das Beste, was dem Journalismus passieren konnte, meinte emphatisch Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur des Tagesspiegels, während des Online-Clubabends des FPC. Die Möglichkeiten der Recherche wie auch die Erreichbarkeit von Leserinnen und Lesern hätten sich enorm verbessert. Während der Tagesspiegel eine gedruckte Auflage von 100.000 Exemplaren habe, besuchten seinen Online-Auftritt täglich 1,6 Millionen Nutzer. Darin liege auch eine große Chance für den Qualitätsjournalismus. Die Wissenschaftlerin Yvonne Hofststetter, Autorin des Buches „Der unsichtbare Krieg“, goss etwas Wasser in den Wein. Dadurch, dass das Netz von jedem mit allem bestückt werden könne, sei die bei seriösen Medien so wichtige Zuverlässigkeit der Quellen nicht mehr gegeben. Märchen und Fakten seien nur noch schwierig voneinander zu trennen. Auf die Frage von Moderator Morten Freidel nach den wirtschaftlichen Konsequenzen für die Medien gestand Müller von Blumencron ein, dass sich das Geschäftsmodell geändert habe. Ein erheblicher Anteil der Anzeigen in den gedruckten Medien sei ins Netz abgewandert. Davon würden aber wiederum vor allem die großen Plattformen profitieren. Frau Hofstetter ergänzte, die Plattformen agierten zwar wie Medien, seien aber nicht bereit, auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Sie trügen wesentlich dazu bei, Auseinandersetzungen zu emotionalisieren und die Vernunft zurück zu drängen.

Müller von Blumencron wollte die Entwicklung des Netzes auch als kommunikative Herausforderung verstanden wissen und sich dem kommunikativen Wettbewerb stellen. Sowohl die Traditions-Medien als auch zum Beispiel Wissenschaftler müssten ihre Informationen besser vermitteln, um sich gegen die vielen falschen Nachrichten durchzusetzen. Allerdings bereite ihm die Härte der Auseinandersetzung im Netz und die Niedermachkultur schon Sorgen. Daher halte er s für eine sehr wichtige Aufgabe, das Diskussionsklima wieder in den Griff zu bekommen. Plattformen zu verbieten, sei keine Lösung, dann entstünden neue, wie jetzt zum Beispiel Clubhouse. Schließlich sei die Entwicklung aus dem Bedürfnis entstanden, miteinander zu reden und sich auszutauschen. Zusätzlich wies er auf die gefährlichen Aspekte der digitalen Sphäre hin, wenn sie als Waffe und als Kontrollinstrument eingesetzt werde. Auf dieses Szenario sei die Verteidigung vieler Staaten noch in keiner Weise ausreichend vorbereitet.

Auf die Aufgabe der Medien in dem Kontext angesprochen meinte Müller von Blumencron, sie müssten an ihren journalistischen Grundsätzen wie z.B. saubere Recherche festhalten und gleichzeitig mehr Offenheit für Anregungen und Debatten zeigen, also einen intensiveren Dialog mit den Leserinnen und den Lesern führen. Allerdings werde es schwierig, wenn Mediennutzer Wissenschaft und Tatsachen nicht mehr als Grundlage für Meinung anerkennten. Dann sei eine gemeinsame Basis nicht mehr vorhanden. Frau Hostetter sah genau darin einen guten Boden für Demagogen mit ihren vermeintlich einfachen Wahrheiten. Müller von Blumencron hielt dem entgegen, den Populismus gäbe es auch ohne soziale Medien.

Moderator Freidel wollte gegen Ende der zusammen mit der Evangelischen Akademie veranstalteten Diskussion Lösungsvorschläge hören. Hofstetter plädierte dafür die Plattformen in die Verantwortung zu nehmen. Gleichzeitig problematisierte sie aber, dass die großen Technologie-Unternehmen inzwischen mächtiger seien als mancher Staat. Müller von Blumencron fügte hinzu, viele Experten und Regierungen hätten gegenüber den Technologie-Giganten ein erhebliches Defizit an Wissen. Hier bestehe erheblicher Aufholbedarf. Eine einfache Lösung konnte jedoch keiner der Diskutanten anbieten.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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