Rückblick Clubabend Digitalisierungsstrategie der F.A.Z.

In Kooperation mit:

Zu Gast

Carsten Knop
Herausgeber der F.A.Z.

Foto © Rainer Rüffer


Moderation

Ronja Merkel
FPC Vorstandsmitglied

Foto © Barbara Walzer

Der Redakteur als Unternehmer in eigener Sache

Herausgeber Carsten Knop zur Digitalisierungsstrategie der FAZ


„Auch in zwanzig Jahren wird es noch gedruckte Zeitungen geben, wenngleich nicht als Massen- sondern eher als Nischenprodukt.“ Mit diesem Statement gab FAZ-Herausgeber Carsten Knop auf dem FPC-Clubabend einen Ausblick in die Zukunft des Zeitungsgewerbes. Allerdings stelle sich mit dieser Aussicht auch gleichzeitig die Frage, wie dann das Geschäftsmodell aussehe und woher das Geld für den Journalismus komme. Denn es werde sicher nicht gelingen, das Gros der Abonnenten der Printausgabe auf die Online-Abonnements umzustellen. Auch kämen die jungen Leserinnen und Leser nicht wie in früheren Zeiten automatisch nach, weil bei den Eltern die Zeitung auf dem Frühstückstisch liege, meinte Knop. Also müssten neue Zielgruppen gewonnen werden, die nach der Lektüre von Artikeln im Netz dann auch bereit wären, für ein digitales Abo entsprechend zu zahlen. Derzeit hat die FAZ 160.000 Abonnenten für die verschiedenen digitalen Produkte in fünf Jahren sollen es 300.000 sein. Auch für die Journalistinnen und Journalisten hat sich das Arbeitsfeld nach Darstellung von Knop deutlich geändert. Jedes einzelne Redaktionsmitglied sollte auf den Social Media unterwegs sein, die Rückmeldungen wahrnehmen und in den Dialog mit dem Leser treten. Der Journalist müsse eigentlich Unternehmer in eigener Sache sein. Natürlich könne man das nicht verordnen, aber er versuche die Kolleginnen und Kollegen dazu zu motivieren. Zur Unterstützung der Online-Aktivitäten ist aber eine eigene Social-Media-Redaktion nach der Auffassung von Knop unbedingt notwendig. Diese Kollegen müssten das Netz ununterbrochen im Auge haben und beurteilen, was dort relevant für die Redaktion sei. Da bei der Gewinnung von Nutzern als zahlende Abonnenten die Pay-Wall eine entscheidende Rolle spielt, fragte Moderatorin Ronja Merkel nach der Selektion der Artikel. Die besten Stücke gehören nach Auffassung des Herausgebers hinter die Schranke, damit es sich auch wirklich lohnt zu zahlen. In Jetzt-Zeit würde das Leserverhalten von Künstlicher Intelligenz analysiert und auf dieser Basis gebe es Empfehlungen für die jeweilige Platzierung von Artikeln. Entscheiden würden allerdings dann die zuständigen Redakteure im Newsroom, die die Pay-Wall steuerten.

Skeptisch äußerte sich Knop zu den sich im Verlagswesen ausbreitenden Zentralredaktionen. Zwar sei dies kaufmännisch nachvollziehbar und auch inhaltlich hätte es den Vorteil, dass dort für etliche Felder eine größere Expertise vorgehalten werden könne. Allerdings finde der Lokaljournalismus im Lokalen statt. Und dieser habe noch ein gehöriges Potential nach oben sowohl generell als auch bei der FAZ. Denn dort bestehe eine hohe Glaubwürdigkeit der Medien und finde der Dialog mit dem Leser statt. Eigentlich müsste ein Mikrojournalismus aufgebaut werden, der für jeden Stadtteil einen Ansprechpartner stelle. Für sich formulierte der Herausgeber das Ziel, aus dem Rhein-Main-Teil der FAZ ein Juwel zu formen. Knop bedauerte, dass zahlreiche Verleger – insbesondere auch Erben – ihre Häuser nur verwalteten, aber nicht den Mut zeigten, in Qualitätsjournalismus auch zu investieren. Denn nur mit hochwertiger Berichterstattung könnten die Verlage eine Perspektive haben. Auf die Frage der Chat-Betreuerin Nina Mülhens nach dem Erfolg der FAZ-Podcasts konnte Knop nur positives berichten. In den letzten beiden Quartalen des vergangenen Jahrs hätte sein Haus im Durchschnitt 200.000 Downloads und Streams pro Woche verbucht. Und damit werde wieder ein ganz anderes Publikum erreicht, als der traditionelle Leser der Print-Ausgabe. Sehr kompakt hat Knop an diesem Abend Einblicke gegeben, wie sich die FAZ für die Zukunft aufstellt.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

Mitglied im FPC werden

Newsletter abonnieren

Kein Mitglied im FPC und trotzdem möchten Sie keine unserer Veranstaltungen verpassen? Dann werden Sie jetzt Teil des FPC Netzwerkes! Registrieren Sie sich einfach unter dem angegeben Link.

Hier geht es zur Registrierung!

Tagungsräume mieten

Tagungsort Broschüre

Soziale Netzwerke

Franz

Kontakt

069 71379609

E-Mail schreiben

Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 11.30 - 2.00 Uhr
und Sonntag: 18.00 - 2.00 Uhr
Samstag ist Ruhetag