Rückblick Auslandskorrespondent im Gespräch

In Kooperation mit:

Zu Gast

Friedrich Schmidt
Auslandskorrespondent F.A.Z. – Moskau

Foto © Wolfgang Eilmes


Moderation

Werner D'Inka
Ehem. Präsident des FPC

Foto © Barbara Walzer

Trotz Repression gibt es noch unabhängige Medien

Moskau-Korrespondent der FAZ berichtet / Eine neue Reihe des FPC


Eine klare rote Linie, die Berichterstatter nicht überschreiten dürfen, gibt es in Russland nicht. Die Gesetze seien sehr schwammig, einzelne – nicht offiziell vorgegebene – Regeln seien den Journalisten jedoch bekannt, wie zum Beispiel, dass der Name Nawalny nicht ohne den Zusatz „Extremist“ erscheinen dürfe. Wenn ein Medium missliebig sei, könnten für eine entsprechende Bestrafung selbst alte Artikel aus dem Archiv herangezogen werden. Wo genau die schmerzgrenze des Regimes verlaufe, sei oft schwer auszuloten. Diese Einschätzung hat Friedrich Schmidt, seit 7 Jahren Moskau-Korrespondent der FAZ auf dem Online-Clubabend des FPC gegeben. Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer Reihe, in der Auslandskorrespondenten verschiedener Medien aus ihrer Arbeit berichten werden.

Schmidt stellte die weitergehende Eskalation der Repression gegenüber Medien dar, die sich unter anderem in Aufkäufen, Auswechseln von Chefredaktionen oder auch Schließungen aus vermeintlich baupolizeilichen oder steuerlichen Gründen widerspiegele. Allerdings gebe es immer noch eine Reihe unabhängiger Medien vor allem News-Websites. Der Clubgast machte einen großen Unterschied zwischen der Situation der heimischen Journalisten und derjenigen der Auslandskorrespondenten, die verhältnismäßig geschützt und privilegiert seien. Gleichwohl könnten auch Berichterstatter aus anderen Ländern schnell als ausländische Agenten gebrandmarkt werden. Auf die Frage von Moderator Werner D´Inka nach der Rolle des Staatsfernsehens meinte der Korrespondent, es zeichne sich eine gewisse Ermüdung des Publikums ab gegenüber den schlichten Dauerbotschaften, die NATO sei die Verkörperung des Bösen und der Westen gehe nieder. Da in Russland das Internet nicht reguliert sei, suchten inzwischen viele Menschen dort ihre Informationen. Schmidt führte an, die Berichterstattung zu Corona mit sehr widersprüchlichen Botschaften habe mittlerweile zu einer breiten Impfverweigerung geführt. Tatsächlich haben in Russland erst 15 Prozent der Bevölkerung die Erst-Impfung erhalten.

Die Pandemie bezeichnete Schmidt als Gift für seine Arbeit, da sie über längere Zeit das Reisen in andere Länder seiner Zuständigkeit verhindert hat. Innerhalb Russlands jedoch habe er sich weiterhin weitgehend frei bewegen können, lediglich einige Grenzgebiete seien davon ausgenommen. Als einen großen Vorteil wertete der Korrespondent die Kenntnisse der Landessprache, was viele Gespräche erleichtere. Allerdings wollte er das nicht als Bedingung für Korrespondenten formulieren, zahlreiche Berichterstatter leisteten auf Übersetzer gestützt eine hervorragende Arbeit. Einen guten Austausch gibt es nach seiner Darstellung unter den Korrespondenten, man gebe sich geneseitig Tipps, unterstütze sich und unternehme im Einzelfall auch mal eine gemeinsame Recherchereise. Gegen Ende des sehr anregenden, zusammen mit der Evangelischen Akademie veranstalteten, Gesprächs gab Schmidt noch zum Besten, in welch heikle Situationen Journalisten geraten können. Im Kaukasus forderte ihn eine lokale Größe auf, einen Toast auf Putin zu sprechen. Da er unter allen Umständen eine politische Bekundung vermeiden wollte, rettete er sich dann auf den Spruch: Ein schlechter Frieden ist immer noch besser als ein guter Krieg.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserer Facebook-Seite


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