Rückblick Hessenschau oder hurriyet.de

In Kooperation mit:

Zu Gast

Dr. Daniel Müller
Leiter des „House of Young Talents“ der Universität Siegen

Canan Topçu
Journalistin, Dozentin, Referentin, Moderatorin und Mitbegründerin der Neuen Deutschen Medienmacher


Moderation

Werner D'Inka
Präsident des FPC

Foto © Barbara Walzer

Nicht nur die „blonde Petra“ sondern auch die „dunkle Ayşe“

Wie sich Menschen mit Migrationshintergrund informieren


Medien in der Muttersprache von Menschen mit Migrationshintergrund sind per se kein Hindernis für deren Integration, meinte die Journalistin Canan Topçu während des FPC-Clubabends „Hessenschau oder hurriyet.de“, der in Kooperation mit dem Interkulturellen Mediendialog Rhein-Main stattfand. Vielmehr komme es auf die Medien und deren Inhalte an. Auch ein Medium in der Muttersprache könne gut über das Land des aktuellen Lebensmittelpunktes informieren. Und die eigene Sprache zu hören oder zu lesen, könne durchaus zum Wohlfühlen beitragen. Auf der anderen Seite könnten von den Regierungen der Ursprungsländer gesteuerte Medien einer Integration auch stark entgegenwirken. Medienwissenschaftler Daniel Müller ergänzte, dass die Landschaft der Medien, die von den jeweiligen Migranten-Communitys erstellt würden, überschaubar sei. Diese Zeitungen hätten mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Versuch einer russischen Wochenzeitung, im Jahr 2007 auf tägliches Erscheinen umzustellen, sei leider schnell gescheitert. Bei den geringen Auflagen – entsprechend den kleinen Zielgruppen - ließen sich die Herstellungskosten nur schwer erwirtschaften. Müller erwähnte als ein negatives Beispiel für das Einwirken von auswärtigen Staatsmedien die Berichterstattung über den vermeintlichen Vergewaltigungsfall des Mädchens Lisa, bei dem vor allem russische Medien zahlreiche Falschmeldungen verbreitet und somit zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen hätten.

Canan Topçu gab zu bedenken, auch die Rezeption deutscher Medien durch Menschen mit Migrationshintergrund führe nicht notwendig zu einer besseren Integration. Nach ihrer Erfahrung fänden sich die Migranten in den Medien oft mit einem negativen Unterton behaftet, was eher zu einer Entfremdung führe. Topçu plädierte dafür, dass die Redaktionen vielfältiger zusammengesetzt sein und die Gesellschaft besser widerspiegeln müssten. So kämen auch andere Perspektiven und andere Themen in die Medien. Allerding hat sich nach ihrer Auffassung schon viel geändert, da vor allem die Öffentlich-Rechtlichen inzwischen großen Wert auf eine bessere Mischung legten. Bei dem sogenannten Storytelling käme nicht automatisch die „blonde Petra“ sondern eben häufig auch die „dunkle Ayşe“ zu Wort. Auch bei Krimiserien wie Tatort seien mittlerweile recht häufig Ermittler und Polizisten mit Migrationshintergrund zu sehen.

Zum Abschluss fragte Moderator Werner D´Inka nach der Rolle der Werbung. Während Topçu auf Beispiele von rassistischen Werbespots verwies, sah Müller diese nur als Einzelfälle an. Insgesamt zeige die Werbung viele Menschen mit Migrationshintergrund und fördere so die Integration.

Viele Fragen blieben zwangsläufig an diesem Abend offen, wie z.B., warum sehr viel mehr über Türken als über Polen in Deutschland berichtet wird, obwohl die Polen die deutlich größere Gruppe ausmachen. Das Gespräch machte deutlich, dass über die Medienrezeption der Bürger mit Migrationshintergrund recht wenig bekannt ist und für die Forschung noch viel Spielraum nach oben besteht. Die vielen Einzelbetrachtungen, Differenzierungen und Fragestellungen der Diskussion haben auch gezeigt, wie schlecht sich diese Thematik für jede Pauschalisierung eignet.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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