Rückblick Clubabend Bettina Rühl – Nairobi

Zu Gast

Bettina Rühl
Freie Journalistin und Vorsitzende von weltreporter.net

Foto © Katharina Enders


Moderation

Carsten Knop
Vizepräsident des FPC

Foto: Privat

Rückkehrer wollen in ihrem Land etwas aufbauen

Afrika-Korrespondentin Bettina Rühl berichtet von ihrer Arbeit


Warum arbeitet eine Journalistin trotz vieler Schwierigkeiten seit Jahren als Afrika-Korrespondentin in Nairobi und hat nicht die Absicht, in nähere Zukunft nach Europa zurückzukehren? Bettina Rühl, die als Freie aus dem riesigen Kontinent berichtet, gibt auf dem Clubabend des FPC eine klare Antwort: Sie treibt die Neugier, immer wieder neues zu entdecken und dabei festzustellen, dass vieles ganz anders ist, als sie sich es vorgestellt hat. Als ein Privileg betrachtet sie es, so viele charismatische Menschen zu treffen, die trotz aller Widrigkeiten den Mut und den Willen haben, in ihrem Land etwas aufzubauen. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert. So sei in zahlreichen Ländern die Sicherheitslage dramatisch, meinte Frau Rühl. Manche Länder, wie z.B. Eritrea, könne sie nichtmehr bereisen, da sie auf einer schwarzen Liste stehe. Andere Staaten, wie etwa Burundi, seien in der Überwachung von Journalisten sehr viel „besser“ geworden, so dass man seinen Recherchen nicht unbeobachtet nachgehen könne. Am bedrohlichsten sei der islamische Terrorismus vor allem in Niger, im Tschad und in der Sahel-Zone. Bei Entführungen gehe es meist um das Erpressen von Lösegeldern und daher hätten Journalisten ein Preisschild am Kopf. Zusätzlich müsse sie jedoch auch noch an die Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie Dolmetschern denken, die ebenfalls sehr gefährdet seien. Bei jeder Recherche müsse sie daher das Risiko für alle Beteiligten sorgfältig abwägen. Die schwierige Sicherheitslage ziehe auch eine erhebliche Kostensteigerung nach sich, da die Berichterstatter nur noch in die teuersten Hotels gehen könnten, die über eigene Sicherheitsdienste verfügten. So koste ein Tag Somalia-Aufenthalt im günstigsten Fall 1000 Dollar. Dem stünden aber wiederum die kleineren Budgets in den Redaktionen entgegen. Von Moderator Carsten Knop auf das Thema Migration angesprochen berichtete Bettina Rühl, Europa habe die Zahl der Flüchtlinge mit Maßnahmen reduziert, die von Menschrechtsorganisationen kritisiert würden. Derzeit werde jedoch die West-Afrika-Route wieder revitalisiert. Allerdings beobachte sie auch, dass viele nach Europa gehen, um dort etwas zu lernen, um dann zurückzukehren und in ihrem Heimatland etwas aufzubauen. Solche Rückkehrer habe sie selbst in Somalia getroffen, wo die Sicherheitslage dramatisch schlecht sei. Diese Menschen hätten das Gefühl, sie müssten ihrem Land etwas zurückgeben und nähmen dafür Gefahren und schwierige Situationen in Kauf. Auf das Leben in Nairobi angesprochen erläuterte die Korrespondentin, nach einer Terrorwelle in den Jahren 2015 und 2016 habe sich die Lage deutlich verbessert. In Kenia gebe es auch eine freche und kritische Presse, die teilweise sehr gute Recherchearbeit leiste. Allerding reagiere die Regierung auf unliebsame Berichterstattung auch häufig mit dem Entzug von Anzeigen und übe so wirtschaftlichen Druck aus. Auf eine Frage aus dem Chat zum Thema Entwicklungshilfe sprach sich die Journalistin für faire Preise für Rohstoffe und andere Produkte der afrikanischen Länder aus. Dies sei allemal besser als im Nachhinein Almosen zu verteilen, bei denen ohne hin immer die Gefahr des Versickerns in korrupten Strukturen bestehe. Bettina Rühl, die aus Nairobi dazugeschaltet war, gab sehr viele Einblicke in die Situation afrikanischer Länder und ihre eigene faszinierende Arbeit. Die Zuhörer im Club waren außerordentlich beeindruckt.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


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