Rückblick Kreativer Sonnengruß

Zu Gast

Lisa-Maria Kretschmer (Reporter ohne Grenzen)

Mario Geisenhanslüke (VRM)

Carsten Knop (F.A.Z.)

Katja Dachs (Boost your City Deutschland)

Alexander Wagner (Kicker)


Moderation

Annette Schriefers (Schriefers Kommunikation)

Alte Werte – neue Formate

Gemeinschaftsveranstaltung zum Qualitätsjournalismus im digitalen Wandel


Der Journalismus muss sich nicht neu erfinden, sondern er kann auf einer guten Tradition und wichtigen Werten aufbauen. Mit diesem Statement hat FAZ-Mitherausgeber Carsten Knop der Fragestellung der Veranstaltung ein wenig die provokante Spitze genommen. Eingeladen hatten die Medienanstalt Hessen, das Hessische Wirtschaftsministerium und der FPC zu einem morgendlichen „kreativen Sonnengruß“ zu dem Thema „Wie sich der Journalismus neu erfindet -Qualitätsmedien im digitalen Wandel“. Knop sah jedoch auch die Notwendigkeit für die Redaktionen, auf die Konsumgewohnheiten der Leser zu reagieren und ihnen neue Formate anzubieten. Die Printauflage seines Hauses stehe unter Druck, allerdings sei dies inzwischen durch die digitalen Angebote stärker als gedacht kompensiert worden. Für die Redaktionen sei inzwischen die Notwendigkeit entstanden, den Leser täglich von der Qualität zu überzeugen. Knebelverträge mit sehr langen Kündigungsfristen seien insbesondere im Netz aus der Zeit gefallen. Insofern biete die FAZ auch für ausgewählte Artikel ein günstiges Wochen-Abonnement an. Abgesehen von der Anpassung der Redaktionsarbeit an die Anforderungen des Netzes müssten die Journalisten es aber auch lernen, mit den Lesern einen Dialog auf Augenhöhe zu führen. Knop wandte sich strikt gegen Modelle staatlicher Unterstützung für die Medien. Die FAZ habe aus diesem Grund während der Corona-Krise auch keine Kurzarbeit eingeführt. Die Frage, wie die Medien als vierte Gewalt noch ihre Kontrollfunktion wahrnehmen könnten, wenn sie von staatlicher Förderung abhängig seien, hatte gleich zu Beginn der Online-Veranstaltung Rolf Krämer vom Hessischen Wirtschaftsministerium aufgeworfen.

Für eine Selbstregulierung des Qualitätsjournalismus machte sich Lisa-Maria Kretschmer von Reporter ohne Grenzen stark. Von ihrer Organisation ist die Journalism Trust Initiative (JTI) angestoßen worden, die einen breiten Konsens über glaubwürdigen Journalismus erzielen möchte. Dabei wird das Augenmerk vor allem auf die Entstehungsprozesse der Nachrichten gelenkt und nicht auf einzelne Artikel. Zu den Bewertungskriterien gehören unter anderem Transparenz über Eigentumsverhältnisse und Einnahmequellen von Medien sowie Mindestanforderungen an journalistische Ethik und redaktionelle Abläufe, darunter der Umgang mit Korrekturen und die Kennzeichnung von Meinungsbeiträgen oder bezahlten Inhalte. Diese Merkmale sollen als Entscheidungshilfe für Mediennutzerinnen und -nutzer, Internetplattformen und Werbetreibende dienen und dazu beitragen, tatsächlichen journalistischen Produkten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Propaganda und Desinformation zu verschaffen. Indem der Standard maschinenlesbar gestaltet wurde, soll er für die Algorithmen von Suchmaschinen und sozialen Medien unmittelbar zur Gewichtung journalistischer Inhalte anwendbar sein. Kretschmer sprach sich vehement gegen automatisches Löschen von Artikeln aus. Dies sei ein so gravierender Eingriff in die Meinungsfreiheit, dass es nur von Menschen vorgenommen werden könne.

Mario Geisenhanslüke, stellvertretender Leiter von Content Development der VRM (ehemals Verlagsgruppe Rhein Main) berichtete das Medienhaus mit zahlreichen Regionalzeitungen werde derzeit unter der Losung Digital First konsequent auf die Anforderungen des Netzes umgebaut. Unter anderem gewinne das Live-Streaming in der lokalen Berichterstattung eine immer größere Bedeutung. Die Corona-Krise hätte das Unternehmen dazu benutzt, mehrere Museen mit 360 Grad Aufnahmen online zugänglich zu machen. Geisenhanslüke berichtete, dass die Leser für guten Journalismus auch zahlen würden. So hätte es während der Enthüllungen der AWO-Affäre zahlreiche neue Abonnements gegeben. Katja Dachs Gründerin der Online-Zeitung Boost your City setzt darauf, dass ihr Angebot kostenfrei für den Leser bleibt. Die Zeitung mit dem Schwerpunkt regionaler Berichterstattung finanziert sich durch Anzeigen. Ebenfalls auf ein Reichweitenmodell und nicht auf die Pay-Wall setzt der Chefredakteur vom Kicker, Alexander Wagner. Da sei es jedoch besonders schmerzlich gewesen in Corona-Zeiten etwa 80 Prozent der Reichweite zu verlieren. Derzeit arbeite das Unternehmen zusammen mit BMW daran, eine eigene App für Autos zu entwickeln. Unter der Moderation von Annette Schriefers hat die morgendliche Veranstaltung sehr kompakte Anregungen zu dem aktuellen Schlüsselthema des Journalismus geliefert.

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