Rückblick 70 Jahre F.A.Z.

Zu Gast:

Prof. Dr. Peter Hoeres
Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte der Universität Würzburg und Autor des Buches "Zeitung für Deutschland – Die Geschichte der FAZ"

Foto © Gerhard Bayer


Moderation:

Günther Nonnenmacher
Freier Journalist und Mitherausgeber der FAZ von 1994 bis 2014

Foto © F.A.Z./Pilar

Einblicke in das FAZ-Universum

Buchautor Peter Hoeres und Ex-Herausgeber Günther Nonnenmacher im Gespräch


Die Herausgeberkonferenz, das höchste Gremium der F.A.Z., war eher ablehnend gegenüber den Bestrebungen von verschiedenen Historikern eingestellt, sich mit der Geschichte der Zeitung zu beschäftigen. Selbst hausintern wurde mit den Informationen über die eigene Geschichte recht zurückhaltend umgegangen. So bekam Günther Nonnenmacher nicht ohne Weiteres Zugang zu den Protokollen der Herausgeberkonferenz, als er für einen Vortrag Material über seinen Doktorvater Dolf Sternberger sichten wollte. Doch durch seine Hartnäckigkeit erreichte Peter Hoeres, Professor für neuste Geschichte in Würzburg, dass ihm schließlich doch die Archive der F.A.Z. für sein Buch „Zeitung für Deutschland“ geöffnet wurden. Mit zahlreichen Anekdoten aus dem F.A.Z.-Universum spürten der ehemalige Herausgeber Nonnenmacher und der Buchautor Hoeres dem Gen der Zeitung nach.

Als überraschend habe er gleich zu Beginn seiner Arbeit vor sieben Jahren empfunden, wie vielschichtig die F.A.Z. in ihrer Struktur und die Redaktion entgegen seinen Erwartungen sehr pluralistisch zusammengesetzt sei, sagte Hoeres. Rund 95 Prozent der interviewten Mitarbeiter hätten inhaltlich übereinstimmend das Statement abgegeben: „Ja, die Zeitung ist konservativ, aber ich bin es nicht.“ Diese Pluralität wird laut Hoeres durch die Einrichtung des Herausgebergremiums ermöglicht, das die Zeitung anstelle eines Chefredakteurs leitet. Jeder der Herausgeber habe die Zuständigkeit für einen Teil der Zeitung und herrsche damit über ein kleines Fürstentum. Zudem habe die Zeitung stets ausgeprägte Individualcharaktere angezogen und in der Einstellungspolitik sehr oft großen Wert auf Fachwissen auf einzelnen Gebieten gelegt worden.

Nahezu typisch sei es, so Nonnenmacher, wie seinerzeit Kurt Rudzinski als unbestrittener Experte im Wissenschaftsteil vehement gegen die Pläne des Schnellen Brüters angeschrieben, gleichzeitig aber der Wirtschaftsteil aus ökonomischen Erwägungen diese Entwicklung befürwortet habe. Aber auch Außen- und Innenwahrnehmung hätten sich oft unterschieden. So sei der profilierte konservative Herausgeber Johann Georg Reißmüller intern ein Vorbild an Liberalität gewesen, der im Übrigen auch die Karikaturisten Greser und Lenz für das Blatt engagiert habe.

Zu dem vollständigen Bild der F.A.Z. gehört aber auch der langjährige Vorsitzende der Geschäftsleitung Hans-Wolfgang Pfeifer. Laut Nonnenmacher hatte er das Glück, die Zeitung in Zeiten zu führen, in denen sie viel Geld verdiente. Aber sein Handeln war immer von großer Zuneigung zur und großem Respekt vor der Redaktion geprägt. Nach seinem Tod im Jahr 2002 habe niemand mehr so viel Einfluss auf die Zeitung gehabt wie Pfeifer, wobei er sich in redaktionelle Belange nicht eingemischt habe. Tragisch sei es für ihn gewesen, dass er bei der Wahl seiner Nachfolger keine glückliche Hand gehabt habe. 70 Jahre F.A.Z lassen sich nicht in einen Abend packen, aber die Gesprächspartner haben durch zahlreiche Anekdoten doch recht aufschlussreiche Einblicke in die Redaktionsarbeit der Zeitung für Deutschland gegeben.


Text: mü

Fotos © Rainer Rüffer


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