Rückblick Clubabend Constructive Journalism

Zu Gast:

Christian Dezer
Leiter der Redaktion "plan b" beim ZDF
Foto © Rico Rossival

Arnd Festerling
Chefredakteur der Frankfurter Rundschau
Foto © Barbara Walzer


Moderation

Annette Milz
Chefredakteurin des Medium Magazins
Foto © Eva Häberle

Konstruktiv diskutiert

Was ist konstruktiver Journalismus? Braucht man dieses Label wirklich oder gab es diese Form der Berichterstattung nicht schon immer? Darüber diskutierten Arnd Festerling, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und Christian Dezer, Redaktionsleiter von plan b beim ZDF, pointiert eingeordnet und moderiert von Annette Milz, Chefredakteurin des medium magazins.

Arnd Festerling hält das Label für überflüssig, für „fake news“. Guter Journalismus sei immer auch konstruktiv. Das Label sei eher aus einer Gegenbewegung gegen Skandalisierung entstanden, der nur negatives vermittelt habe. Wichtiger für Festerling ist vor allem, Journalismus mit Haltung zu machen, wie er mehrfach betonte. Christian Dezer erläuterte, das ZDF habe die Zuschauerforschung mit einbezogen. Ergebnis: es gäbe zu viel negative Berichterstattung, keiner erzähle, wie es auch anders gehe. Das habe man ernst genommen und sich im Magazin plan b dem konstruktiven Journalismus gewidmet. Dabei sei das Label per se nicht so wichtig, sagt Christian Dezer. Die Idee seines Magazins sei „Zeigen was geht“. „Ohne zum Aktivisten zu werden und ohne sich mit einer Sache gemein zu machen.“ Konstruktiver Journalismus sei nicht aktivistisch, sondern zeige auch die Schwierigkeiten der verschiedenen Lösungsansätze. Die Rückmeldungen an seine Redaktion zeigten: „dass gerade jüngere Menschen an dieser anderen Form der Berichterstattung interessiert sind.“ Auch zu Themen wie Demenz oder Pflege. Man fange nicht bei den Problemen an, sondern zeige Lösungen auf.

Festerling hält jedoch hält diese Form der Berichterstattung nicht für neu. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man über das schlechte in der Welt berichten und keine Lösungen aufzeigen kann", daher tue er sich „so schwer damit, was an daran neu sein soll“. Der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau wies auf den schmalen Grat zur Beeinflussung hin. „Man muss immer die Frage stellen müssen: Wie geht es anders?“ Aber die Frage wie es „besser“ gehe, sei schon wieder eine Frage von Kampagne oder Haltung oder gar Propaganda. Den Kampagnen-Vorwuf habe auch die Frankfurter Rundschau schon erhalten. Andererseits könne man eine Haltung oder Weltanschauung nicht trennen von dem, wie man berichte, auch nicht von dem, wie man es besser mache.

Dezer sieht konstruktiven Journalismus als Ergänzung, etwa zu investigativem Journalismus. „Ich glaube nicht, dass konstruktiver Journalismus alles ersetzen soll. Er solle es ergänzen.“ Nicht jedes Thema sei dafür geeignet. Insbesondere bei politischer Berichterstattung seien, da sind sich alle drei einig, andere Formen angebracht. "Man kann nicht alles verkonstruieren", mahnt Dezer. Krieg oder Terror gehörten etwa für ihn dazu. Da brauche man weiter die klassische Analyse.

Festerling resümierte, Lösungsvorschläge aufzuzeigen, sei insbesondere im Lokaljournalismus wichtig. Es sei ein großer Nutzwert, wenn man Menschen zeigen könne, wo Alternativen oder Lösungen lägen. „Lösungsmöglichkeiten für lokale Probleme aufzuzeigen, ist ganz zentral.“ Dezer stimmte zu und ergänzte: „Konstruktiver Journalismus will nie bewerten, er will nur zeigen: Es ist anders.“

Text: Michaela Schmehl

Fotos: Rainer Rüffer und Julio Klappich


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