Rückblick Clubabend Darknet und Journalismus

Zu Gast

Stefan Mey
Freier Journalist und Buch-Autor („Darknet – Waffen, Drogen, Whistleblower", C.H.Beck)

Foto © Ralf Rühmeier


Moderation

Ronja Merkel
Chefredakteurin Journal Frankfurt und FPC Vorstandsmitglied

Foto © Barbara Walzer

Das Darknet – eine Hilfe bei heikler Recherche


Darknet gilt landläufig als ein Synonym für Drogen- und Waffenhandel und Kinderpornografie. Stefan Mey erläuterte dagegen allgemeinverständlich auf dem Clubabend des FPC, dass das Darknet für Journalisten durchaus eine wichtige Funktion haben kann. Denn im Kern gehe es um anonymisierte Kommunikation, die – im Falle des Journalismus – sowohl dem Rechercheur als auch seiner Quelle einen relativ hohen Schutz biete. Indem Nachrichten über mehrere Knoten liefen, würden die IP-Adresse des Absenders und des Empfängers unkenntlich gemacht. Bis heute kümmerten sich Journalisten selbst bei heiklen Themen noch viel zu wenig um die Verschlüsselung ihrer Kommunikation. Dass etliche große Medien im Darknet Postfächer für die Zustellung heikler Dokumente von potenziellen Whistleblowern eingerichtet hätten, sei nur ein Anfang. Kerntechnik dabei ist der von amerikanischen Behörden entwickelte und bis 2016 auch finanzierte TOR-Browser, der mittlerweile von einer NGO betrieben wird, die sich weitgehend durch private Spendengelder finanziert. Diesen TOR-Browser kann jeder kostenlos herunterladen und damit sowohl im Internet als auch im Darknet arbeiten.

Mey bot dem Auditorium zwei sehr weit auseinanderlaufende Szenarien für die Zukunft des Darknet an. Es könne gut sein, dass in zehn Jahren kein Mensch mehr davon rede. Es sei aber eben auch denkbar, dass der Zustand des Darknet heute vergleichbar mit dem Internet Anfang der neunziger Jahre sei, dass sich diese in den Kinderschuhen steckende Anwendung explosionsartig ausbreite. Aus einer Nischentechnologie könnte wegen des anwachsenden Widerstands gegen den Missbrauch von Nutzerdaten gleichsam ein Gegeninternet entstehen. Bis heute ist die Zahl der Nutzer des Darknet jedoch recht überschaubar. Mey gab als Größenordnung an, dass in Deutschland täglich etwa 5000 Nutzer ins Darknet gingen. Der Frage von Moderatorin Ronja Merkel, ob denn das Darknet ein rechtsfreier Raum sei, begegnete er mit einem klaren „Nein“. Auch im Darknet sei der Schutz der Anonymität nicht hundertprozentig. Staatliche Behörden wie Polizei, Landeskriminalämter oder auch der Bundesnachrichtendienst hätten inzwischen hochqualifizierte Spezialisten, die schon manche Verschlüsselung erfolgreich „geknackt“ hätten. Mey gab sich in der Beurteilung gespalten: ein Segen für die Bekämpfung der Kinderpornografie, nicht so erfreulich dagegen für heikle journalistische Kommunikation. Für die meisten Teilnehmer hat dieser Abend spannende Einblicke in eine gänzlich unbekannte Welt gegeben.


Text: mü

Fotos © Rainer Rüffer


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