Rückblick Clubabend Traumberuf oder Sackgasse

Zu Gast

Prof. Dr. Tanjev Schultz
Journalistisches Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Foto © JS Mainz


Moderation

Arnd Festerling
FAZIT Communication und FPC Vorstandsmitglied

Foto © Barbara Walzer

Journalismus im Umbruch

Entwicklungen und Perspektiven in der Medienbranche


„Hat der Journalismus ein lausiges Image?“, fragte provokant Moderator Arnd Festerling den Gast des Abends Tanjev Schultz vom Journalistischen Seminar der Mainzer Gutenberg-Universität. Ernüchternd meinte Schultz, das Ansehen der Journalisten nähere sich demjenigen von Autoverkäufern und Politikern. Aber auch materielle Aspekte tragen nach seiner Darstellung dazu bei, dass der Drang junger Menschen in diesen Beruf deutlich nachgelassen habe. Die Journalistenschulen machten sich inzwischen Sorgen über ausreichenden Nachwuchs und für kleinere Zeitungen in ländlichen Regionen sei es recht schwierig, Schreiber zu finden. Die Gehälter der Berichterstatter seien wenig attraktiv und in der Regel könnten Medienschaffende in der freien Wirtschaft deutlich mehr verdienen. Zudem habe sich seit der Entwicklung der Online-Kommunikation der Alltag deutlich verändert. Konnten Journalistinnen und Journalisten in früheren Zeiten noch mit einer verhältnismäßig regelmäßigen Arbeitszeit rechnen, die von den Produktionsabläufen bestimmt war, so seien inzwischen Schichtbetrieb von früh morgens bis Mitternacht eher die Regel. Heute legten die jungen Menschen auch wesentlich größeren Wert auf die sogenannte Work Life Balance und seien weniger bereit, dem Beruf alles unterzuordnen. Die Loyalität zu und die Identifizierung mit den großen Medienhäusern habe ebenfalls deutlich nachgelassen. Auf der anderen Seite hätten sich auch die Ansprüche der großen Verlage an die Journalisten verändert. Neben der fachlichen Ausbildung werde spezielles Wissen auf Gebieten wie Jura oder IT verlangt oder es seien auch mehr Quertreiber, „Verrückte“ oder ehemalige Unternehmer gefragt. Diese Sicht auf ungewöhnliche Biographien sei vor allem der Diskussion geschuldet, ob die Medien noch ausreichend Kontakt zu den Menschen hätten. Den Medienunternehmen schrieb Schultz ins Buch, sie müssten sich mehr darum bemühen, für den Nachwuchs wieder attraktiver zu werden, um gut qualifizierte Berichterstatter anzuziehen. Schultz wollte aber den Journalismus nicht nur in düsteren Farben schildern, sondern hob ebenso die Chancen hervor. Zum Beispiel entfalle durch die direkte Kommunikation von Vereinen und anderen Einrichtungen über soziale Medien ein ehemals klassischer Teil der Lokalberichterstattung. Dies schaffe aber Kapazitäten in den Redaktionen, eigene Geschichten zu recherchieren, die auf größeres Interesse stießen als die Berichte über Jubiläen und ähnliches. Auch in den neuen Medien seien journalistische Blitzkarrieren möglich. Schultz berichtete von einer jungen Journalistin, die auf Instagram eine News WG eingerichtet und verhältnismäßig schnell 50.000 Abonnenten erreicht habe. Offensichtlich habe sie mit diesem Format eine bestimmte Zielgruppe sehr gut angesprochen. Wichtig nach seiner Auffassung bleibe jedoch, dass auch auf diesen Kanälen die journalistischen Grundtugenden wie saubere Recherche und das Anhören der jeweiligen Gegenseite gelebt werden müssten. Weitere große Themen waren an diesem sehr anregenden Abend die geringe Repräsentanz von Frauen in Leitungsfunktionen, das Verhältnis von Journalismus und PR und schließlich Erfolg und Misserfolg von Bezahlschranken im Netz.


Text: mü

Fotos © FPC


Mitglied im FPC werden

Newsletter abonnieren

Kein Mitglied im FPC und trotzdem möchten Sie keine unserer Veranstaltungen verpassen? Dann werden Sie jetzt Teil des FPC Netzwerkes! Registrieren Sie sich einfach unter dem angegeben Link.

Hier geht es zur Registrierung!

Tagungsräume mieten

Tagungsort Broschüre

Soziale Netzwerke

Franz

Kontakt

069 71379609

E-Mail schreiben

Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 11.30 - 2.00 Uhr
und Sonntag: 18.00 - 2.00 Uhr
Samstag ist Ruhetag