Rückblick Clubabend Deutschlands geheime Medienmacht?

Zu Gast

Marco Fenske
Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland in Hannover

Foto MADSACK Mediengruppe

Jörg Quoos
Chefredakteur der Zentralredaktion von Funke-Mediengruppe in Berlin

Foto FUNKE Mediengruppe


Moderation

Gerhard Kneier
FPC Vize-Präsident

Foto © Barbara Walzer

Zentralredaktionen als Rettungsweg

Die Chefredakteure der Funke-Medien-Gruppe und des Redaktionsnetzwerkes Deutschland zu Gast im FPC


Reduzierung der Medienvielfalt, Gleichschaltung der Berichterstattung und Stellenabbau in den Redaktionen. Das sind nur einige der Vorhaltungen, denen die Chefredakteure der Funke-Mediengruppe und des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) täglich begegnen. Auf dem Clubabend des FPC gaben der 35 Jahre alte Marco Fenske, Chefredakteur des RND in Hannover, und Jörg Quoos, 56 Jahre alt und Chefredakteur der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe in Berlin, sehr kompakt Einblicke in ihre Arbeitsweise und die Strukturen in ihren Verlagen. Neben 76 Zeitschriften – unter ihnen auch Hör zu – gehören zur Funke Mediengruppe 12 Tageszeitungen, unter anderem die Westdeutsche Allgemeine, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost. Der entscheidende Schritt zur Steigerung der Effizienz war vor fünf Jahren die Gründung einer Zentralredaktion in Berlin, die die hauseigenen Medien mit allem beliefert, was überregional ist, also vor allem Politik, Wirtschaft und Kultur. Bei der Einrichtung der Zentralredaktion sind ungefähr zwei Drittel der rund hundert Journalisten in Berlin aus den einzelnen Medien der Funke-Gruppe zusammengezogen worden, und ein Drittel wurde neu eingestellt. Stellenabbau in den einzelnen Medien habe es kaum gegeben. Quoos gab sich zuversichtlich, dass sein Haus mit diesen effizienten Strukturen die Medienkrise gut bestehen könne.

Einen ähnlichen Weg, nämlich das Einrichten einer Zentralredaktion, ist auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland gegangen, das zu dem traditionsreichen Madsack-Verlag gehört. Fenske berichtete, dass die Zentrale in Hannover 62 Titel mit einer Gesamtauflage von 2,3 Millionen Exemplaren beliefere. Dabei erhielten 15 Zeitungen den kompletten Mantel, andere bezögen nur Teile davon oder auch nur einzelne Artikel. In Hannover würden täglich 200 Zeitungsseiten produziert. Für ihn ist das ein Weg, wie Qualitätsjournalismus auch weiterhin finanzierbar bleibt. Quoos bezeichnete die Produktion des Zeitungsmantels bei kleineren Zeitungen als eine Mängelverwaltung. Wenige Redakteure müssten mit Agenturmaterial die Seiten füllen. Experten für einzelne Themen könnten sie sich nicht leisten. Die Zentralredaktion verfüge demgegenüber über zahlreiche Fachjournalisten, die eigene Themen recherchieren oder Fremdartikel gut einordnen könnten.

Auf der anderen Seite säßen natürlich in den Zeitungsredaktionen Experten für die lokalen Ereignisse. So hätten zum Beispiel bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin die Kollegen der Berliner Morgenpost rund um die Uhr den Verlag mit Nachrichten versorgt. Einen so intensiven Personaleinsatz habe sich auch keine Agentur leisten können. Am Anfang der Kooperationen habe es schon Reibung mit selbstbewussten Chefredakteuren gegeben, die keine Aufgaben abgeben wollten. Inzwischen hätten aber die Redaktionen des Hauses auch das Zusammenspielt mit der Zentrale gelernt und die Vorteile davon wahrgenommen. Fenske ergänzte, die Zeit für Alleingänge von einzelnen Medien sei definitiv vorbei, daher suche sein Verlag auch immer neue strategische Partner.

Als eine Alternative zu den großen Nachrichtenagenturen wollten die beiden Chefredakteure ihre Arbeit und ihr Konzept nicht verstanden wissen. Die Agenturen seien nach wie vor für viele Medien unverzichtbar. Allerdings habe sich die Medienvielfalt erweitert, da die beiden Zentralredaktionen wegen ihrer Auflagenstärke inzwischen bei Politik und Wirtschaft auch für die Verbreitung von Exklusivnachrichten sehr interessant geworden sind. Der „Medienzirkus“ habe sich erweitert, meinte Quoos. Auch wenn beide Zentralredaktionen viel für Printprodukte arbeiten, so ist für die beiden Chefredakteure eine enge Verzahnung von Online- und Printjournalismus selbstverständlich. Allerdings müssten bei Onlineauftritten noch Strategien erarbeitet werden, um den Leser zum Bezahlen für die Nachrichten zu bewegen. Als ein Beispiel für ein Experiment führte Fenske an, dass sein Haus derzeit aktuelle Nachrichten eine Stunde lang auf der frei zugänglichen Homepage stehen lasse, danach verschwinden sie jedoch hinter der Paywall. Die Gäste des Abends hatten ein sehr dichtes Gespräch erlebt, das sich mit Grundfragen der Zukunft des Journalismus beschäftigt hat. Sie dankten es den beiden Chefredakteuren und dem Moderator Gerhard Kneier mit außergewöhnlich langanhaltendem Beifall.


Text: mü

Fotos © Rainer Rüffer & Julio Klappich


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