Rückblick FPC Hausbesuch ZDF Digital

Hintergrundfoto © Mendel


ZDF Digital: innovative Denkfabrik in Mainz

Als ein „schnelles Beiboot“ hat Gastgeber Jonas Schlatterbeck die ZDF Digital GmbH bezeichnet und damit die kleine innovative Denkfabrik in Mainz treffend umschrieben, die der FPC im Rahmen seiner Hausbesuche besichtigt hat. Als hundertprozentige „Enkelin“ (Tochter von ZDF Enterprise) ist das Unternehmen vor allem darauf ausgerichtet, digitale Transformationsprozesse zu beschleunigen. In der Form der GmbH sind viele Abläufe von den Verwaltungsvorschriften der öffentlich-rechtlichen Anstalten befreit und gehen daher schneller vonstatten. Die rund 200 festen Angestellten aus 35 verschiedenen Berufsgruppen mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren müssen dabei 80 Prozent ihres Umsatzes mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten machen und können weitere 20 Prozent auf dem freien Markt generieren. Unter anderen zählen dabei Banken, Verlage und Universitäten zu ihren Kunden.

Jonas Schlatterbeck, Head of Social & Distributed Media, erläutert, seine Einheit sei jedoch keine Marketingabteilung des ZDF. Vielmehr gehe es darum, Inhalte und Themen von ZDF-Marken für ein jüngeres Publikum aufzubereiten. Bei der Arbeit für ZDF-Info zum Beispiel ziele die Produktion vor allem auf die Altersgruppe von 24- bis 45-jährigen. In enger Absprache mit den Redaktionen des Mutterhauses würden Inhalte, etwa für den Instagram-Kanal, in ganz unterschiedlichen Formen wie Erklärvideos oder Grafiken aufbereitet. Das sei ein intensiver gegenseitiger Austauschprozess. Die Erfolgskriterien müssten immer produktspezifisch definiert werden. Sollten zum Beispiel Videos für Instagram mit einer jeweiligen Länge von einer Minute von der überwältigenden Mehrheit der Nutzer nur zehn Sekunden angesehen werden, mache die Redaktion etwas falsch. Die Zahlen von Fans und Followern seien jedoch auch nicht sehr verlässlich, da einzelne Produkte eine sehr viel weitere Reichweite entfalteten, meinte Schlatterbeck.

Als weiteres Beispiel für die Arbeit des Ideenlabors präsentierte Miriam Hagmann, Koordinatorin internationale Projekte, CompAsS, eine webbasierte Untertitelungssoftware. Das Projekt ist eine EU geförderte Kooperation von ZDF Digital und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. CompAsS erzeugt mithilfe von Spracherkennung und maschineller Übersetzung automatisch die gesamten Untertitel für ein Video und platziert diese auch noch an den richtigen Stellen. Anhand eines Beispiels wurde gezeigt, das Ergebnis ist nahezu fehlerfrei. Auch auf die Anmerkung eines Gastes, dass die Sprecherin in dem Video aber auch sehr deutlich und langsam gesprochen habe, waren die Gastgeber vorbereitet. Es folgte ein weiteres Beispiel, in welchem die Software ein Interview mit Reinhold Messner untertitelte, mit vergleichbar gutem Ergebnis. Hagmann betonte, dass die Software auf keinen Fall darauf abziele, eines Tages die Untertitler zu ersetzen. Es ginge vielmehr darum, ihre Arbeit erheblich zu erleichtern. Eine gemeinsame Studie mit der Uni Mainz hätte ergeben, dass durch die Software nicht nur die Qualität der Untertitel besser wird, sondern obendrein auch noch die Zufriedenheit der Untertitler steigt. Denn diese könnten sich, dank der durch die automatische Transkription und Übersetzung gewonnenen Zeit, bei Ihrer Tätigkeit nun darauf konzentrieren, qualitativ möglichst hochwertig Untertitel zu erstellen.

Volker Denkel, Leiter Digitale Medien, stellte ein sehr hilfreiches Werkzeug für die Programmplanung von ZDFinfo vor, welches mithilfe maschinellen Lernens die Nutzung und Marktanteile für das Jahr vorausberechnen könne und anhand dieser Berechnungen automatisch den Programmplan erstelle. Dem kritischen Einwand, ob denn aus der Retrospektive eine sinnvolle Vorausplanung generiert werden könne, begegnet Decker mit einem klaren „Ja“. Er erläuterte dies mit dem Beispiel einer Planung mit Politikthemen am Neujahrsmorgen, die gut, überraschend gut funktioniert habe. Auch in vielen weiteren Situationen hätten sich die von dem Tool gemachten Vorhersagen bewahrheitet. Ferner wurden noch eine eigene Reporter App vorgeführt, die es den Journalisten ermöglicht, mit wenigen Handgriffen Videos zu schneiden, zu texten und zu versenden. Am Ende des Besuchs ging es für die Mitglieder des FPC in die Virtual Reality Abteilung von ZDF Digital. Hier wurde ihnen erklärt, wie mit Hilfe von Fotogrammetrie so viele Bilddaten gesammelt werden, dass zerstörte Gebäude virtuell und dreidimensional wieder auferstehen können. So zum Beispiel der Flughafen Tempelhof für eine 360°-Dokumentation des ZDF. Und wer mochte, konnte die Resultate der Fotogrammetrie dank VR-Brille sogar direkt live erleben und auf virtuelle Erkundungstour gehen.

Die FPC-Mitglieder waren sichtlich beeindruckt von dem Innovationshaus in Mainz und die wenigsten hatten vorher gewusst, dass eine so spannende Denkfabrik quasi vor der eigenen Haustür ihre Heimat hat.


Fotos © Rainer Rüffer


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