Wikipedia feiert 25. Geburtstag – 25+25 Fragen an Wiki-Aktivisten Jens Best

DONNERSTAG | 16. APRIL | 20 UHR | FPC, ULMENSTR. 20, 60325 FRANKFURT

ZU GAST
Jens Best (Netzaktivist, Wikipedia-Autor und Editor)

MODERATION
Jan Eggers (FPC Vorstandsmitglied)

Text: Jan Eggers

6 aus 49 Antworten… an den Netzaktivisten Jens Best zu 25 Jahren Wikipedia

25 Jahre Wikipedia, 25 Jahre Wissen in einer Online-Enzyklopädie, die von Freiwilligen am Leben und am Laufen erhalten wird, und nicht von einem übermächtigen Tech-Konzern.  Aus diesem Anlass haben wir am 16. April den Netzaktivisten und Wikipedia-Kulturbotschafter Jens Best befragt – mit einem Fragenhagel: 50 Fragen in 60 Minuten. 

Einige der Antworten haben wir hier ausgesucht: 

  • …wie die Wikipedia-Community reagiert hat, als ihr ein FAZ-Artikel auf Basis einer KI-Analyse vorhielt, dass jeder dritte Artikel Unsinn enthält: „Dankbar.“
  • …ob es immer noch so viel Vandalismus und Unsinn gibt in der Wikipedia: „Es gibt den Vormittagsvandalismus: Du sitzt im Lateinunterricht, bist genervt, und schreibst dann in den Cäsar-Artikel: Herr Müller ist der dümmste Lateinlehrer Deutschlands. Deswegen haben wir in Deutschland, dass Edits von neuen Accounts erst gesichtet werden müssen – deswegen werdet ihr das nie zu sehen bekommen. Andere schreiben einen 11. Vornamen in den Vornamen von Ex-Minister Guttenberg. Es gab auch mal einen Artikel über eine Insel, die es nicht gibt, und der jahrelang in der Wikipedia stand. Aber Tests sagen, im Vergleich zu anderen Enzyklopädien ist die Wikipedia genauso gut oder schlecht – 2 Prozent Unsinn gibt es auch in der Encyclopaedia Britannica.“ 
  • …wie man KI-Texte erkennt: „Es gibt gewisse semantische Logiken, wie KI-Texte aufgebaut sind. Mein Problem ist, dass mein semantisches Schreiben anscheinend irgendwie sehr KI-ähnlich ist.“ 
  • …was eine Sockenpuppe ist: „Ein Zweit- oder Drittaccount eines Nutzers, der eigentlich gekennzeichnet sein muss. Einer der Gründe für solche Zweitaccounts kann sein, dass ich die miteinander reden lasse, um so zu tun, als wollten mehrere Leute einen Artikel ändern. Wir haben Sockenpuppen aus kommerziellen Gründen, wir haben PR-Agenturen, die im Auftrag von gewissen Ländern oder gewissen Konzernen Artikel beeinflussen sollen, wir haben ideologische Sockenpuppen, gerade im Rechtsextremismus. Wir haben aber eine relativ gute Community – auch wenn die Hürde zur Abschaltung einer Sockenpuppe hoch ist: Es gibt Leute, die überprüfen können, ob das Verhalten der verschiedenen Accounts verdächtig nach einem Sockenpuppenzoo aussehen kann, und da wird dann auch sehr hart durchgegriffen.“
  • …ob er Mitleid hat, wenn Journalisten auf Falschinfos in der Wikipedia hereinfallen, wie den berühmten dazugedichteten Vornamen bei Ex-Minister zu Guttenberg: „Eher nein. Es ist ja ein Zirkelschluss: irgendein Journalist schreibt ganz schnell etwas mit der Wikipedia, der Artikel muss raus, dann passiert das mal. Und dann steht es in der Zeitung, und dann kommt der nächste und sagt: Ich habe hier diesen Zeitungsartikel als Quelle. Aber das ist der Lauf der Dinge, und das wird dann schon auch korrigiert. Wissen ist ein soziales Konstrukt, und wir müssen uns ständig überprüfen.“ 
  • …ob es in 25 Jahren die Wikipedia noch gibt: „Als Community, in der wir für freies, offenes Wissen einstehen: ja. Was immer dann auch unter Wissen und Wissensvermittlung verstanden wird. Aber ob es dann das sein wird, was wir heute kennen: wahrscheinlich nicht.“

Auch von Gästen gab es Antworten – zum Beispiel von Arne Klempert, der lange Jahre Sprecher und Geschäftsführer der Betreiber-Gesellschaft hinter der deutschen Wikipedia war. Er beschrieb: Wer ist der typische Wikipedianer? „Ich sage immer, Wikipedia, die Community ist eine Mischung aus Weltverbesserern und Besserwissern. Beides braucht man eigentlich in einer hoffentlich gesunden Mischung, damit Wikipedia funktioniert. Das deutsche Grundwesen scheint quasi sehr gut zu diesem Besserwissertum zu passen – das Engagement der deutschsprachigen Community ist, im Verhältnis zur zur Zahl derMuttersprachler, ein außerordentlich aktives und auch professionelles.“

Der Clubabend im Video

Jens Best
Foto © Jens Best
Jan Eggers
Foto © Jan Eggers

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