DIENSTAG | 04. AUGUST 2026 | 19-21 UHR | FPC, ULMENSTR. 20, 60325 FRANKFURT
REFERENT
● Jan Eggers (KI-Experte und Journalist für WDR und Hessischen Rundfunk)
BEGRÜẞUNG
● Nina Mülhens (FPC-Vorstandsmitglied)
Text: Nina Mülhens
Ich glaube, wir stellen inzwischen die falsche Frage.
Nach dem gestrigen Workshop von Jan Eggers im Frankfurter PresseClub e.V. über KI-Deepfakes beschäftigt mich vor allem ein Gedanke. Wir fragen ständig, ob etwas echt ist. Dabei ist das längst nicht mehr die entscheidende Frage. Die tiefergehende Frage ist, warum wir es sofort glauben.
Deepfakes sind nicht gefährlich, weil sie perfekt sind. Sie sind gefährlich, weil sie auf etwas treffen, das schon vorher da war. Unsere Emotionen. Ein Bild macht uns wütend. Ein Video bestätigt unsere politische Haltung. Eine Sprachnachricht setzt uns unter Druck. Ein angebliches Zitat passt genau in unser Weltbild. Und in diesem Moment hört kritisches Denken oft auf.
Das Erschreckende ist, dass viele Deepfakes gar nicht deshalb funktionieren, weil sie technisch perfekt sind, im Gegenteil. Oft enthalten sie offensichtliche Fehler, wie sechs Finger, unlogische Bewegungen, verbogene Schriften, Buchstaben die im Wort fehlen, etc. Trotzdem werden sie millionenfach geteilt. Nicht, weil Menschen sie für authentisch halten, sondern weil sie sich wahr anfühlen.
Wir erleben gerade einen fundamentalen Wandel. Früher war ein Bild ein Beweis. Heute ist ein Bild oft nur noch ein Verstärker von Emotionen und das verändert unsere Informationskultur. Besonders hängen geblieben ist bei mir die Erkenntnis, dass viele Menschen inzwischen gar nicht mehr wissen wollen, ob etwas echt ist. Es reicht, wenn es die eigene Überzeugung bestätigt.
Deshalb reicht Medienkompetenz heute nicht mehr aus, wenn wir sie auf Faktenchecks reduzieren. Wir müssen lernen, auch uns selbst zu hinterfragen.
Warum triggert mich dieses Bild? Warum möchte ich, dass es wahr ist? Warum teile ich es, bevor ich überprüft habe, ob es stimmt?
Vielleicht ist das die wichtigste Kompetenz der nächsten Jahre, die eigenen Denkfehler erkennen zu können.
Denn die größte Gefahr von KI ist möglicherweise gar nicht, dass Maschinen immer besser darin werden, uns zu täuschen, sondern wir Menschen immer weniger unterscheiden zwischen dem, was wahr ist, und dem, was wir gerne für wahr halten.
Danke, Jan für den lebendigen Abend, der mir vor Augen geführt hat, dass wie viel Vertrauen durch kritisches Denken entsteht.

Foto © Jan Eggers

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