SAMSTAG | 08. AUGUST 2026 | 10.45 – 13.00 UHR | MUSEUM FÜR KOMMUNIKATION SCHAUMAINKAI 53 60596 FRANKFURT
GASTGEBER:
Dr. Annabelle Hornung (Direktorin Museum für Kommunikation Frankfurt)
Jan Brinkhus (Leiter des dpa-Landesbüros Frankfurt)
Warum guter Journalismus im KI-Zeitalter unverzichtbar ist
Ein Hausbesuch des Frankfurter PresseClubs im Museum für Kommunikation (MfK)
Was haben Brieftauben mit Breaking News zu tun? Warum war der Postbeamte einst so etwas wie der erste Nachrichtenfilter eines Ortes? Und weshalb kann ein einziges Foto mehr Macht entfalten als eine ganze Zeitungsschlagzeile? Antworten auf diese Fragen bekam der FPC am 8. August 2026 beim Hausbesuch im Frankfurter Museum für Kommunikation. Gemeinsam mit Jan Brinkhus, Leiter des dpa-Landesbüros für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, nahm Dr. Annabelle Hornung ihre Gäste mit auf eine exklusive Reise durch Geschichte und Gegenwart von News und Nachrichten, währenddessen die Kinder der PresseClub-Mitglieder von der MfK-Kinderwerkstatt betreut wurden.
Ein Museum, das Kommunikation erzählt
Schon die Begrüßung von Annabelle Hornung, seit Januar 2025 Direktorin, machte deutlich, dass dieser Besuch mehr war als ein klassischer Museumsrundgang. „Die Themen des Museums sind Kommunikation und Mediengeschichte, und da ist der FPC ein natürlicher Partner unseres Hauses.“ Die Vermittlung von Kommunikation und Mediengeschichte steht im Mittelpunkt dieses bemerkenswerten Bildungsort am Frankfurter Museumsufer. Die Ausstellung „News – Nachrichten“ zeiget wie sehr sich die Bedingungen, unter denen Menschen Nachrichten wahrnehmen, im Lauf von Jahrhunderten verändert haben. „In unserer visuellen Kultur haben Bilder heute deutlich mehr Macht im Vergleich zu Headlines“, so Hornung. Anlass für die Ausstellung, die schon im vergangenen Jahr im Berliner Museum für Kommunikation gezeigt wurde, war der 75. Geburtstag der Deutschen Presse-Agentur. Heute ist dpa die größte in Deutschland tätige Nachrichtenagentur mit zwölf Landesdiensten sowie rund 140 Standorten im In- und Ausland.
Der Postbeamte als Nachrichtenfilter
Wie radikal sich die Geschwindigkeit in der Nachrichtenübermittlung verändert hat, wird in der Wechselausstellung des MfK besonders anschaulich. „Das Nadelöhr, dass alles über die Post ging, sieht man an Zeitungen, die früher oftmals den Namen Post oder Postille führten“, berichtet Hornung. Der Postbeamte im Ort war eine zentrale Figur: bei ihm liefen die Nachrichten zusammen – und damit auch die Entscheidung, was er für die Menschen im Ort interessant und wichtig erachtete. Dass Schnelligkeit im Nachrichtengeschäft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, zeige die Biografie von Paul Julius Reuter, dem „findigen“ Gründer der Nachrichtenagentur Reuters. Er nutzte 1850 Brieftauben, um eine Lücke im europäischen Telegrafennetz zu überbrücken. Denn zwischen Aachen und Brüssel brauchten Telegramme mit der Eisenbahn rund sechs Stunden – Brieftauben schafften die Strecke in zwei.
Welchen Ausschnitt von Wirklichkeit sehen wir?
Welche Informationen erreichen uns? Wer entscheidet darüber? Und welchen Ausschnitt der Wirklichkeit sehen wir überhaupt? fragte Jan Brinkhus, der das dpa-Landesbüro für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland leitet. Seine Aufgabe bestehe unter anderem darin, Reporterteams zu organisieren, um eine umfassende Berichterstattung sicherzustellen, wobei nicht mehr nur Texte zum Angebot der dpa gehören, sondern auch Fotos, Videos, Grafiken und Audiobeiträge. Am zentralen Newsdesk in Berlin laufen alle Fäden der dpa zusammen, hier entscheiden die Nachrichtenchefs im Zweifel, wie mit einer Meldung umgegangen wird. „Ist sie nach unserem Standard eine Nachricht? Haben wir ein Video dazu? Gibt es Fotos? Wie dringlich ist die Geschichte? Und wie gehen wir mit rechtlichen Problemen um?“
© Rainer Rüffer
Was Bilder verschweigen können
Besonders eindrücklich wird die Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit von Annabelle Hornung an einem Foto aus dem Irakkrieg 2003 erläutert. Das Bild zeigt einen irakischen Soldaten, umgeben von US-Soldaten. In der Ausstellung wird deutlich: Erst die Betrachtung des gesamten Zusammenhangs zeigt, dass der Mann gleichzeitig versorgt und bedroht wurde. Am Beispiel dieses Fotos stelle die Ausstellung die Frage: „Was sehen wir – und was sehen wir nicht?“
Die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen
Und wie steht es mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei dpa? „Es darf nichts das Haus verlassen, bevor nicht nochmal ein Mensch sicher ist, dass das so stimmt, was wir haben.“ formulierte Jan Brinkhus unmissverständlich den Grundsatz der dpa. Allerdings kann KI unterstützend eingesetzt werden, um die journalistische Arbeit schneller und besser zu machen. „Sie ersetzt aber nicht die Kernkompetenzen des Journalismus: Themen finden, prüfen, recherchieren, einordnen, bewerten und verifizieren. Die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen.“ Noch deutlicher wurde der dpa-Journalist, was automatisch erzeugte Nachrichten betrifft. „Wir haben keine Tools, die Nachrichten schreiben, sonst würden wir uns selbst überflüssig machen“.
Technische Revolution der Bilder
Wie enorm sich die technische Seite des Nachrichtengeschäfts verändert hat, verdeutlichte Brinkhus am Beispiel vom Versand von Bildern. Heute verbinden Fotografen ihre Kamera mit ihrer Agentur. „Dann können wir das Bild bereits kurz nach der Aufnahme editieren. Es dauert nur wenige Minuten, und das Bild ist in der Welt.“
#UseTheNews – Den Wert von Nachrichten vermitteln
Auch die nächste Generation stehe für dpa im Fokus, so Brinkhus. Um junge Menschen vom Wert überprüfter Nachrichten zu überzeugen, arbeite man in einer Initiative zur Nachrichtennutzung und -kompetenz eng mit Schulen und Verlagen zusammen. „Mit #UseTheNews führen wir junge Menschen an Nachrichten heran, um neue Medienformate auszuprobieren, die sie aktiv miteinbeziehen.“ Ziel sei, zu lernen, wie Quellen geprüft, Nachrichten eingeordnet und die Kompetenz geschult wird, zu erkennen, welche Bilder echt und welche Texte KI-generiert sind.
Zum Abschied bedankte sich Nina Mülhens vom FPC-Vorstand für das hervorragende Angebot, die Kinder der Mitglieder während der Führung von der Kinderwerkstatt des MfK pädagogisch betreuen zu lassen. „Wie junge Menschen Nachrichten aufnehmen und wie Erwachsene Nachrichten konsumieren, das haben das MfK und die dpa mit der super interessanten Ausstellung „Nachrichten-News“ perfekt zusammengeführt.“

Foto © Stefanie Kösling, Museum für Kommunikation Frankfurt

Foto: © obs/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH/Boris Roessler











