Zwischen Mediendschungel und Schutzraum: Der Frankfurter PresseClub zu Gast beim KiKA

MITTWOCH | 19. AUGUST 2026 | GANZTÄGIG | LEIPZIG

GASTGEBER:
Roman Twork (KiKA-Programmgeschäftsführer)
Christiane Rohde (KiKA-Kommunikationschefin)
Saskia Weisser (Referentin für Markt- und Medienforschung bei KiKA)

Leipzig, 19. August 2026. Wo erreicht man Kinder, wenn Fernsehen längst nicht mehr das Leitmedium ist? Und wie kann ein öffentlich-rechtlicher KiKA in einer Medienwelt bestehen, die von YouTube, TikTok, Netflix & Co. geprägt wird? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweistündigen Austauschs des Frankfurter PresseClubs mit den Programmverantwortlichen des Kinderkanals von ARD und ZDF (KiKA). KiKA-Programmgeschäftsführer Roman Twork, Kommunikationschefin Christiane Rohde und Medienforscherin Saskia Weisser gaben der Frankfurter Gruppe Einblicke in die aktuelle Situation der Kindermedien – und in die digitale Zukunft der gemeinsamen Kindermedienmarke KiKA von ARD und ZDF.

Die Zahlen zeigen, wie tiefgreifend sich die Mediennutzung verändert hat: Rund 8,34 Millionen Kinder zwischen drei und 13 Jahren leben in Deutschland. Gleichzeitig verteilt sich ihre Aufmerksamkeit auf immer mehr Plattformen. Die tägliche lineare Fernsehnutzung sank von 79 Minuten im Jahr 2016 auf nur noch 22 Minuten im Jahr 2025. Der Kinder-Medienmarkt ist fragmentiert, Kontakte zu den Anbietern werden flüchtiger. „Wir müssen eine Bindung aufbauen“, lautet deshalb eine zentrale Herausforderung für den öffentlich-rechtlichen KiKA.

Dabei kann KiKA auf einen wichtigen Trumpf setzen: Vertrauen. Gerade Mütter von jungen Kindern bescheinigen dem Sender Qualität, Vielseitigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Themen. „KiKA steht für Qualität: Ich weiß immer, was drin ist und wo ich es finde!“ Die Strategie für die Zukunft setzt deshalb weniger auf Masse als auf starke Marken: „Ein paar weniger Leuchttürme, die eine Strahlkraft entwickeln können.“ Zugleich gilt: „Neue Sichtbarkeit schaffen kostet viel Kraft.“ Und erfolgreiche Formate sollen weiterentwickelt werden – unter dem Motto: „Aufwachsen mit hochwertigen und reichweitenstarken Marken“, wie z. B. Die Maus, Die Pfefferkörner, Die WG oder H²O, KIKAninchen oder KIKA LIVE.

© Robert Hensel

Wie das funktionieren kann, zeigte das KiKA-Team am Beispiel künstlicher Intelligenz. Formate und Redaktionen greifen das Thema auf unterschiedlichen Plattformen auf – vom Checker Tobi-Spezial über interaktive Livestreams bis zu PUR+ und logo. Dahinter steckt eine neue Form der redaktionellen Arbeit und die Erkenntnis: „Wir müssen unsere Kräfte redaktionell bündeln.“ Gleichzeitig sollen Kinder stärker selbst zu Akteuren werden. Beim Kinderkommentar – eine Kooperation zwischen ARD-Sportschau, ZDF-Sportstudio und KiKA – zum DFB-Pokal gab es mehr als 70.000 digitale Abrufe und 4500 Kommentare. „Was KiKA auszeichnet, ist Partizipation!“ Gerade darin sehen die Programmverantwortlichen eine wichtige Zukunftschance des öffentlich-rechtlichen Kinderangebots. Ein Kinderredaktionsrat und KiKA-Userlab binden das junge Publikum ebenfalls unmittelbar ein.

Der Blick nach vorn geht klar in Richtung Digitales. Der KiKA soll zu einem eigenständigen, zeitgemäßen Gesamtangebot für Drei- bis 13-Jährige werden – mit eigener Identität, klarer Absenderkennung und einem geschützten Medienraum. Gleichzeitig sollen die Kräfte von ARD und ZDF stärker gebündelt werden. Denn der digitale Wettbewerb lässt sich nach Ansicht des KiKA-Teams nicht dadurch gewinnen, dass immer mehr Angebote geschaffen werden. „Weniger ist mehr, deshalb schließen wir uns zusammen.

Doch die digitale Welt bringt auch neue Risiken und Fragen. Kinder bewegen sich auf zahlreichen Plattformen. Für öffentlich-rechtliche Angebote wird es deshalb entscheidend sein, digitale Zugänge möglichst niedrigschwellig zu gestalten – ohne den Schutz der Kinder aus dem Blick zu verlieren. Dabei gilt für Roman Twork und Saskia Weisser: „Niemals die Zielgruppe unterschätzen!“ Denn Kinder nehmen gesellschaftliche Konflikte sehr wohl wahr. Sie erleben die Stimmung ihrer Eltern und erfahren Mobbing, Rassismus sowie Cybermobbing. „Kinder wissen auch: Es hört ihnen niemand zu.“ Gerade hier kann eine öffentlich-rechtliche Kindermedienmarke wie KiKA eine wichtige Funktion übernehmen: zuhören, erklären, einordnen und Orientierung geben.

Und wer ist nun der größte Konkurrent? Die Antwort von Medienforscherin Saskia Weisser fällt eindeutig aus: „Im Digitalen ist YouTube der Platzhirsch Nummer 1.“ Gleichzeitig hat KiKA digital eine erstaunlich starke Position: Sieben von zehn Kindern kennen die KiKA-App. Damit wird aus dem klassischen Kinderkanal zunehmend eine digitale Medienmarke.

Für den Frankfurter PresseClub war der Besuch damit nicht nur ein Blick hinter die Kulissen von KiKA, sondern auch ein Einblick in die zentrale Frage, vor der öffentlich-rechtliche Medien insgesamt stehen: Wie bleibt man relevant, wenn sich die Medienwelt schneller verändert als je zuvor? KiKAs Antwort lautet: mit Qualität, starken Marken, Beteiligung – und einem sicheren Ort für Kinder. KiKA soll nicht nur unterhalten und Wissen vermitteln, sondern einen Ort schaffen, an dem Kinder sich sicher bewegen können. Denn „KiKA versteht sich als Schutzraum für Kinder.

Schreibe einen Kommentar