FPC Hausbesuch: Ein neues Zuhause der F.A.Z. im Europaviertel – Führung durch den Neubau / Gespräch mit Carsten Knop

08. AUGUST 2023 | 18 Uhr | F.A.Z. TOWER, PARISER STR. 1, 60486 FRANKFURT AM MAIN

Große Anstrengungen für das Digitale

Besuch im FAZ-Tower / Perspektiven der gedruckten Zeitung

Herausgeber Carsten Knop bekannte sich bei dem Hausbesuch des FPC in dem neuen FAZ-Tower im Europaviertel als leidenschaftlicher Anhänger der gedruckten Zeitung. Dennoch konnte er den zahlreichen Gästen keine gute Prognose für die Printausgaben machen. Als ein wesentliches Problem beschrieb er den Vertrieb. Immer mehr Druckereien, die auch gleichzeitig Vertriebszentren seien, müssten schließen und dadurch würden die Wege zu den Leserinnen und Lesern immer länger und teurer. In einigen Gebieten zahle der Verlag allein für die Zustellung der Sonntagszeitung sechs Euro pro Exemplar. In den USA hat nach den Worten von Knop schon ein dramatisches Zeitungssterben eingesetzt. In den Jahren zwischen 2005 und 2022 seien dort 2500 Titel vom Markt verschwunden, das Gesamtangebot habe sich damit um ein Viertel reduziert. Dadurch sei eine Nachrichtenwüste entstanden und es entfalle die politische Moderation der gesellschaftlichen Mitte. Gleichzeitig radikalisierten sich die politischen Lager in ihren eigenen Internetblasen. Auch in Deutschland sei der Rückgang der gedruckten Zeitung eindeutig, wann jedoch der Kipppunkt komme und diese vom Markt verschwinde, könne niemand vorhersagen. Um eine ähnliche Entwicklung wie in den USA zu vermeiden, müsse der Verlag große Anstrengungen unternehmen, seine Leser in das Digitale mitzunehmen und junge Menschen für die Marke FAZ und für Qualitätsjournalismus zu gewinnen. Auf diesem Weg ist die FAZ nach den Worten des Herausgebers recht erfolgreich, sie habe inzwischen 250.000 Digital-Abos, erreiche auf digitalem Weg täglich rund zwei Millionen Menschen und habe damit eine größere Reichweite als je zuvor. Auch wirtschaftlich würden sich inzwischen die Digital-Aktivitäten rechnen und trügen die Hälfte zum Betriebsergebnis bei. Bei der Entwicklung neuer Formate geht die FAZ bisher ungewöhnliche Wege und kooperiert sowohl mit Funk, dem Jungendsender von ARD und ZDF und dem Hessischen Rundfunk. Natürlich ändere das nichts daran, dass man gegenseitig auch kritisch übereinander schreiben könne, fügte Knop hinzu. Die beiden Ressortleiter der Rhein-Main-Zeitung Jacqueline Vogt und Manfred Köhler schilderten die Auswirkungen der Vertriebsprobleme für die Redaktionsarbeit. Da die Wege länger geworden seien und mehr Zeit benötigten, habe man den Redaktionsschluss von 17.30 auf 16 Uhr vorverlegt, allerdings könne für die Printausgabe noch bis 20.30 Uhr nachgelegt werden. Auch die Zeiten, in denen Journalistinnen und Journalisten einen ruhigen Morgen hatten seien vorbei, die erste Redaktionskonferenz finde schon um 9.15 Uhr statt. Die Ressortleiter bewerteten die Konsequenzen als zwiespältig. Zum einen gebe es einen Verlust an Aktualität, da Ereignisse vom späten Nachmittag nichtmehr ins Blatt kämen, zum anderen verringere die Redaktion die Berichterstattung von Terminen und konzentriere sich mehr auf Themen und eigene Geschichten. Vor dem Gespräch mit dem Herausgeber und den Ressortleitern konnte die Besuchergruppe die Redaktionsräume besichtigen und aus dem 15. Stockwerk einen ungewohnten Blick auf Frankfurt werfen. Die Teilnehmer des Hausbesuchs waren sehr angetan von den offenen Worten des Herausgebers und der Ressortleiter sowie von dem modernen Zeitungshochhaus.

Carsten Knop
Foto © Barbara Walzer

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