Twitter unter Elon Musk – Netzaktivist Markus Beckedahl über die Folgen für die Öffentlichkeit

12. JANUAR | 19.30 UHR | ONLINE BEI ZOOM

ZU GAST
 Markus Beckedahl (netzpolitischer Aktivist, Journalist und Redakteur bei netzpolitik.org)

MODERATION
Karsten Frerichs (FPC Vorstandsmitglied)

Eine gesellschaftliche Aufgabe

Netzaktivist Markus Beckedahl über Alternativen zu Twitter

„Es gibt Alternativen“. Mit diesen Worten hat Moderator Karsten Frerichs das Gespräch auf dem Online-Clubabend mit dem Netzaktivisten Markus Beckedahl zusammengefasst. Beckedahl beschrieb seine Haltung gegenüber Twitter, dass sein Unbehagen mit jedem Tweet wachse. Gegenüber der ersten Euphorie, als Twitter eine gewisse Rolle im arabischen Frühling spielte, habe es deutliche Rückschläge gegeben, vor allem als der ehemalige amerikanische Präsident Donald Trump dieses Netzwerk für folgenschwere Desinformationskampagnen genutzt habe. Aber seit der Übernahme durch Elon Musk habe sich die Situation noch einmal drastisch verändert. Bis dahin habe es noch nie die Situation gegeben, dass eine Person allein verantwortlich für ein soziales Netzwerk gewesen sei. So müsse sich auch Marc Zuckerberg im Börsenumfeld seines Unternehmens an gewisse Regeln halten. Musk dagegen könne quasi im luftleeren Raum allein entscheiden und zudem habe er sich inzwischen noch als Verschwörungstheoretiker entpuppt. Beckedahl meinte, für ihn persönlich habe sich seit der Übernahme von Twitter durch Musk verhältnismäßig wenig geändert. Es sei für ihn nach wie vor sein Nachrichten-Tticker. Das liege allerdings daran, dass er ein weißer Mann sei und in Deutschland lebe. Frauen erhielten inzwischen deutlich mehr bedrohende Hass-Tweets. Zudem seien unter anderem in Indien, Brasilien und Nigeria die Content-Moderationen aufgelöst und die damit befassten Angestellten entlassen worden. Über die Frage von Frerichs, was denn Musk antreibe, konnte Beckedahl auch nur spekulieren. Es sei unklar, ob er bei seinem ersten Angebot nur geblufft habe und sich dann nicht mehr zurückziehen konnte. Möglicherweise habe er aber auch die Vision einer Super-App, die von Bezahlen bis zu sozialen Netzwerken alles leisten könne. Schließlich habe sicher auch eine Rolle gespielt die politische Agenda von Musk als Verschwörungsideologen. Nach Auffassung von Beckedahl sollten solche kommunikativen Infrastrukturen nicht in den Händen von privaten Investoren liegen, vielmehr müssten demokratische und transparente Lösungen gefunden werden. Dass dies möglich sei, habe das anfangs viel gescholtene Wikipedia gezeigt, das weitgehend auf ehrenamtlicher Basis ein Weltwissen geschaffen habe. Ein Weg für eine demokratische Infrastruktur könnte der Mikroblogging-Dienst Mastodon sein, der als dezentrales Netzwerk konzipiert ist. Es könnte eine Aufgabe für Kommunen aber auch für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sein, dies zu fördern. Aber auch die Gesellschaft müsse ehrenamtliche Arbeit im digitalen Bereich mehr anerkennen und ebenso würdigen wie andere ehrenamtliche Tätigkeiten. Auf der einen Seite zeigte Beckedahl Verständnis dafür, dass Medien sich wegen der begrenzten Ressourcen auf die etablierten Netzwerke konzentrierten. Auf der anderen Seite forderte er jedoch die Auseinandersetzung über eine Mastodon-Strategie ein. Es gebe viele Möglichkeiten, um aus der Abhängigkeit von den großen privaten sozialen Netzwerken herauszukommen. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe gemeinwohlorientierte Lösungen zu entwickeln und zu realisieren.

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In Kooperation mit:

Markus Beckendahl
Photo-credit mabb.de
Gerhard Kromschröder
Foto © Thomas Hegenbart

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