Rückblick Der Zensur ein Schnippchen schlagen

In Kooperation mit:

Zu Gast

Lisa Dittmer
Referentin für Internetfreiheit bei Reporter ohne Grenzen

Oliver Linow
Internet Freedom Specialist bei der Deutschen Welle


Moderation

Werner D'Inka
Präsident des FPC
Foto © Barbara Walzer

Mit einem Video-Spiel die Zensur unterlaufen

Wie sich Deutsche Welle und Reporter ohne Grenzen Gehör verschaffen


Die Idee, mit einem Computerspiel die Zensuren autoritärer Staaten zu umgehen, klingt zunächst ziemlich abstrus. Tatsächlich hat aber „Reporter ohne Grenzen“ in den vergangenen Jahren genau dies mit einer größeren Arbeitsgruppe von internationalen Fachleuten umgesetzt. Und zwar hat die Organisation das weltweit verbreitete und sehr populäre Video-Spiel Minecraft als Ausgangspunkt für die Verbreitung unterdrückter Publikationen genommen. In dieser künstlichen Welt bauen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Konstruktionen aus zumeist würfelförmigen Blöcken. Reporter ohne Grenzen hat mit dieser Technik eigene Räume geschaffen, in denen Bibliotheken mit verbotenen Schriften enthalten sind. Auf dem gemeinsam mit der Evangelischen Akademie veranstalteten Clubabend zum Thema Zensur erläuterte Lisa Dittmer, Referentin für Internetfreiheit bei Reporter ohne Grenzen die Möglichkeiten von Minecraft. Es habe einen starken psychologischen Aspekt, dass Bücher und Artikel verfolgter Autorinnen und Autoren trotz Zensur weiterhin für jedermann zugänglich seien, meinte Dittmer. Da die Bibliotheken zum Herunterladen geeignet seien, könne dieses Schrifttum nicht mehr aus der Welt geschaffen werden. Während sich Reporter ohne Grenzen ansonsten vor allem an Journalisten und Regierungen wende, erreiche es mit dem Spiel überwiegend junge Menschen aus allen Schichten. Diese würden bei Erkundungen in der Video-Welt auf die Bibliotheken stoßen und sich dann auch mit dem Thema Pressefreiheit befassen. Allerdings könne Minecraft nicht als aktueller Nachrichtenkanal dienen, schränkte Dittmer ein. Vor einem Verbot von Minecraft schreckten die autoritären Regime bisher zurück, da ihnen das einen erheblichen Image-schaden einbringen würde.

Einen ganz anderen Weg, um Zensur zu umgehen, beschreitet die Deutsche Welle, wie Oliver Linow, Internet Freedom Specialist des Hauses, berichtete. Die Radiosendungen werden von zahlreichen Regimes mit verschiedenen Techniken bei der Ausstrahlung behindert. In Kooperation mit der Universität Toronto nutzt der Sender die kostenlose Software Psiphon, die dem Nutzer einen unbeschränkten Zugang zum Internet ermöglicht. Linow betonte die Bedeutung eines absolut vertrauenswürdigen Partners, wie der Universität Toronto, damit es keine Datenlecks gebe, die wiederum Personen gefährden könnten. Moderator Werner D´Inka wollte wissen, wie sich die Kenntnisse über diese Technik denn verbreiteten. Linow berichtete, die Deutsche Welle könne zum Beispiel im Iran millionenfache Abrufe pro Monat verzeichnen. Allerdings sei man im Wesentlichen auf eine von Mund zu Mund Propaganda angewiesen. Hinzu käme punktuelle gezielte Werbung wie kurze Videos für Reisende an den Gates vom Frankfurter Flughafen. Lisa Dittmer wies noch darauf hin, dass die die meisten Filter- und Überwachungsprogramme autoritärer Saaten von westlichen Firmen entwickelt und an die Diktatoren verkauft würden. Diesem Thema wolle sich Reporter ohne Grenzen demnächst verstärkt annehmen. Sowohl Dittmer als Linow beschrieben die Hemmungen von Autokratien, populäre Plattformen komplett abzuschalten. Dies funktioniere nur dann ohne großen Image-Schaden, wenn es im Land gut funktionierende und beliebte eigene Plattformen gebe, die das Bedürfnis nach internationalen Quellen stark reduzierten. Die sei in China und im Iran der Fall. Nach Auffassung von Linow lassen sich insbesondere die jungen Leute die durch das Internet gewonnen Freiheiten nicht so ohne weiteres wieder nehmen. Das bezeugten auch die hartnäckigen und mutigen Demonstrationen in verschiedenen Diktaturen. Das Gespräch hat einen wichtigen Aspekt journalistischer Arbeit ausgeleuchtet und die Thematik wird sicher weiterhin im Programm des FPC auftauchen.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal (Verfügbar bis 07.04.2021)


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