Rückblick Johnny Erling zu Gast

Zu Gast

Johnny Erling
ehem. Chinakorrespondent u.A. WELT und Der Standard

Foto: Privat


Moderation

Jana Sauer
Präsidentin des FPC

Foto: Privat

Massiver Druck auf Journalisten

Johnny Erling über die Arbeitsbedingungen für Korrespondenten in China


Die Arbeitsbedingungen für Journalisten in China haben sich in den vergangenen zwei Jahren dramatisch verschlechtert. Dieses Urteil belegte der langjährige China-Korrespondent Johnny Erling während des Clubabends im FPC mit einer Fülle von Beispielen. So seien in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit insgesamt nur sieben Korrespondenten des Landes verwiesen worden, während allein im vergangenen Jahr 20 Journalisten die Akkreditierung entzogen worden sei. Mit sehr unterschiedlichen Methoden werde die freie Berichterstattung massiv eingeschränkt und ein starker Druck auf die Journalisten ausgeübt. So sei kürzlich ein deutscher Kollege, der über die Hochwasserkatastrophe recherchieren wollte, von einer aufgebrachten Menge umringt und bedrängt worden. Die Menschen seien durch einen Aufruf des kommunistischen Jugendverbandes aufgehetzt worden, gegen unliebsame Korrespondenten vorzugehen. Eine weitere Methode der Einschüchterung sei die Verkürzung der Visa auf sechs, drei und inzwischen auch nur einen Monat. Die entsprechenden Korrespondenten lebten dann mit der ständigen Bedrohung, das Land innerhalb kürzester Zeit verlassen zu müssen. Erling wollte nicht ausschließen, dass sich diese Situation auf das Verhalten der Journalisten auswirkt. Aber auch auf diplomatischer Ebene werde versucht, Einfluss auf die Artikel zu nehmen. So sei es nicht ungewöhnlich, dass sich Angehörige der Botschaft sowohl bei der Bundesregierung als auch bei den Chefredakteuren über kritische Berichterstattung beschwerten. Gegen unliebsame Meinungsäußerungen schwinge die chinesische Regierung auch schnell die Keule der Wirtschaftsrestriktionen. So habe China, nachdem der Dissident Liu Xiaobo in Oslo den Nobelpreis erhalten habe, Norwegen mit der Einstellung des Lachsimportes abgestraft. Die Moderatorin Jana Sauer wollte nach diesen Schilderungen wissen, wie ein Journalist denn dann noch arbeiten könne. Erling erläuterte, dass es zumindest vor 2019 noch eine recht aktive Szene junger Enthüllungsjournalisten gegeben habe, von denen auch westliche Korrespondenten profitiert hätten. Heute sei ein Korrespondent auf gute Vernetzung angewiesen, auf die Kenntnis des Landes und der Gesellschaft, um auch Zwischentöne bei Berichten von Regierungsbehörden oder auch von privaten Kontakten herauszuhören. Für sich selbst bekannte er, Glück gehabt zu haben, das Land vor der massiven Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und vor Corona verlassen zu haben. Zu dem Konflikt um Taiwan erläuterte Erling, dass die Bestrebungen der Volksrepublik, den Sonderstatus der Insel zu beenden, stark gewachsen seien, als der ehemalige US-Präsident Trump verlauten ließ, für diesen Konflikt werde kein einziger amerikanischer Soldat sterben. Eine klare Ansage des Präsidenten Biden hätten die Tonlage Chinas wieder deutlich verändert. Aber perspektivisch sei es sehr wichtig, das asiatische und westliche Staaten eine klare Reaktion auf eine militärische Intervention ankündigten. Nur ein unkalkulierbares Risiko könne die Volksrepublik von diesem Schritt abhalten. Auf mögliche kontroverse Diskussionen in der KP angesprochen meinte Erling, diese gebe es nicht offen. Allerdings werde sich bei gravierenden Fehlern der Führung voraussichtlich eine breite Unzufriedenheit mit der Führung artikulieren, die sich derzeit nicht äußern könne. Die Teilnehmer des Abends artikulierten in den anschießenden Gesprächen große Anerkennung und Dankbarkeit für die differenzierten und anschaulichen Schilderungen aus dem reichen Erfahrungsschatz des ehemaligen Korrespondenten.


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