Rückblick Clubabend Qualitätsmedien in der Coronakrise?

In Kooperation mit:

Zu Gast

Werner D'Inka
Präsident des FPC und ehem. Mitherausgeber der F.A.Z.

Foto © Barbara Walzer

Otfried Jarren
Kommunikationswissenschaftler und Professor am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich

Foto © Frank Brüderli, Stallikon


Moderation

Diemut Roether
Verantwortliche Redakteurin – epd medien

Foto © Guido Schiefer

Kein Systemversagen – aber viele Lehren aus der Krise


Ein Systemversagen des Journalismus hat es nach Auffassung des ehemaligen F.A.Z.-Herausgebers Werner D´ Inka während der Corona-Krise nicht gegeben. Die Medien seien im Großen und Ganzen ihrer Aufgabe nachgekommen, hätten ausreichend informiert und auch schon frühzeitig nach den Auswirkungen des Lock-Downs gefragt. In einer Online-Veranstaltung des FPC in Kooperation mit epd medien und der Evangelischen Akademie wurde die Rolle der Medien und auch der Medienkritik in den vergangenen Monaten beleuchtet. D´Inka verwahrte sich auch gegen eine pauschale Kritik an der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Als Fernsehzuschauer habe er sich gut und angemessen informiert gefühlt, denn auch dort sei schon frühzeitig über die Konsequenzen der Gesundheitsmaßnahmen in den Schulen, in den Familien und die Finanzierbarkeit der Folgekosten reflektiert worden.

Der Medienwissenschaftler Otfried Jarren hatte den öffentlich-rechtlichen Anstalten vorgeworfen, zu einseitig die gesundheitlichen Aspekte behandelt und nicht ausreichend auf die gravierenden Konsequenzen in allen gesellschaftlichen Bereichen hingewiesen zu haben. Zudem habe die ständige Wiederholung der dramatischen Bilder aus Bergamo auch einen Rahmen für die Entscheidungen der Politik gesetzt. Gleichwohl brach Jarren eine Lanze für das System der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf der einen und der privaten Printmedien auf der anderen Seite. Da die Öffentlich-Rechtlichen – durch Rundfunkräte kontrolliert – stets ausgewogen sein müssten, käme den privaten Zeitungen die Rolle zu, herausfordernd und frech zu sein.

Die Moderatorin des Abends Diemut Roether, Medienredakteurin bei epd, fragte nach den Schlussfolgerungen bei den Medien aus der Berichterstattung über die Krise, zum Beispiel seien die Familien mehr in den Focus der Berichterstattung gerückt. D´Inka hielt das für einen guten Aspekt zumal Medien in der Berichterstattung oft zu sehr auf Institutionen und offizielle Statements fixiert seien. Aber auch die Vermittlung von sehr komplexen Themen habe an Bedeutung gewonnen. In Zukunft könne der Wissenschaftsjournalismus möglicherweise eine noch wichtigere Rolle spielen. Für die Redaktionen sei der Verzicht auf Redaktionskonferenzen schwierig gewesen, Bildschirmkonferenzen hätten das nicht ersetzen können. In jedem Fall müssten Journalisten auch weiterhin Beobachter, Analytiker und Berichterstatter, aber auf keinen Fall Akteure sein. Jarren hob hervor, gerade in solchen Krisen dürften in der Berichterstattung die Rollen und Verantwortlichkeiten der unterschiedlichen Akteure nicht verwischt werden. Zum Beispiel hätten Wissenschaftler und Politiker ganz andere Aufgaben und daher auch unterschiedliche Sichtweisen. Die häufige Anwendung von Kriegsmetaphern durch Politik und Journalismus sei sehr unglücklich gewesen. Eine herausragende Aufgabe der Medien in so einer Situation sei es, Rationalität in die Kommunikation zu bringen. Moderatorin Roether resümierte, in einer so komplexen Situation sei es für den Journalismus nicht einfach, Berichte zuzuspitzen, was ja eigentlich ein Teil des Handwerks sei. Denn die notwendig differenzierte Betrachtung der meisten Themen eigne sich dafür nicht. Als eine Konsequenz empfahl sie dem Journalismus eine größere Transparenz. Für die Bindung der Leser und Zuschauer sei es von großer Bedeutung, dass die Redakteure auch ihr eigene Arbeit immer wieder erläuterten.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


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