Rückblick Clubabend Qualitätsmedien in der Coronakrise?

In Kooperation mit:

Zu Gast

Ulrike Christl
Leiterin von euro|topics

Foto © Privat

Tommaso Pedicini
WDR, Leiter der Italien-Redaktion bei Cosmo

Foto © Privat

Dunja Sadaqi
Leitung ARD-Studio Nordwestafrika

Foto © Frau Anika fotografiert


Moderation

Dr. Carmen Colinas
Neue Deutsche Medienmacher e.V.

Schwierige Arbeitsbedingungen für Journalisten

Corona und die Medien: Ein Blick über die Grenzen


Die Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten haben sich mit Beginn der Corona-Krise drastisch verschlechtert. Die Ausgangssperre in Marokko machte schon den Weg ins Büro mit bis zu drei Kontrollen mühsam. Interviews wurden abgesagt und der Rest wurde über Telefon und Skype abgewickelt. Den Stringerinnen, die ihre Berichterstattung aus 22 Ländern unterstützten, sei es nicht anders gegangen. So hat auf der gemeinsamen Veranstaltung des Interkulturellen Mediendialog Rhein-Main und des FPC die ARD-Korrespondentin in Rabat Dunja Sadaqi ihren Arbeitsalltag geschildert. In dieser Folge der FPC-Serie „Corona und die Medien“ ging es darum, einen Blick über die Grenzen zu werfen. Obwohl in Marokko die Zahl der Corona-Toten bis heute mit wenig über 200 überschaubar sei, habe die Regierung die Maßnahmen relativ strikt angeordnet. Nach den dramatischen Bildern aus Italien sei die Angst groß gewesen, dass die Auswirkungen in Marokko noch dramatischer ausfallen könnten. Tomaso Pedicini, beim WDR Leiter der Italien-Redaktion von Cosmo, sprach von einem Albtraum für Journalisten, jeden Tag dasselbe Thema – nämlich Corona – behandeln zu müssen. Allerdings sei es meist gelungen, jeweils einen etwas anderen Dreh zu finden. Nach seiner Einschätzung sind in Italien die Virologen noch in ganz anderem Ausmaß als in Deutschland zu Popstars gemacht worden. Ulrike Christl, Leiterin von eurotopics, ein europäischer Pressespiegel im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, berichtete in der spanischen Presse sei der Anspruch der deutschen Ferienwohnungsbesitzer auf großes Unverständnis gestoßen, dort den Lockdown verbringen zu wollen. Aber insbesondere in Italien seien die Medien auf Deutschland während der Krise sehr schlecht zu sprechen gewesen wären. Pedicini fügte hinzu, die Italiener hätten den Deutschen vor allem das Exportverbot von Gesundheitsartikeln als kalt und herzlos vorgeworfen. Das habe dann auch die Berichterstattung dominiert und die Hilfsaktionen wie der Transport von schwer Kranken in deutsche Kliniken sei eher untergegangen. Nach einer Umfrage hätten derzeit 70 Prozent der Italiener ein schlechtes Bild von Deutschland, einen solchen Negativwert habe es noch nie gegeben. Zu Beginn der Krise hätten sich die Italiener gefragt, ob sich die Deutschen für unsterblich hielten, da sehr langsam erste Maßnahmen ergriffen worden seien. Das habe sich erst mit den Bildern der Särge von Bergamo verändert. Inzwischen drehe sich jedoch die Diskussionen vor allem um die wirtschaftlichen Folgen. Von Moderatorin Carmen Colinas von den Neuen deutschen Medienmachern auf die politischen Konsequenzen von Corona angesprochen, führte Sadaqi unter mehreren Beispielen an die Verschärfung der Repression in Algerien und Nigeria und die Überwachung der Ausgangssperre in Tunesien mit Drohnen und Robotern. Auch in Marokko sei das Verbreiten von „Fake-News“ über Corona unter Strafe gestellt worden. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass eine Reihe wichtiger Themen von der Krise in den Hintergrund gedrängt worden sei, wie zum Beispiel die Proteste gegen die Rentenreform in Frankreich, die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln oder auch Fridays for Future. Dunja Sadaqi gab zu bedenken, die Krise habe vor allem Mängel in der Berichterstattung gezeigt, die vorher auch schon vorhanden waren. So verdränge nach wie vor ein Tweet aus den USA sofort die Berichterstattung über den sich ausbreitenden Terrorismus in der Sahel-Zone. Zum Abschluss stand die Frage im Raum, wie sich die Pandemie auf die Menschen auswirken werde. Pedicini wies darauf hin, wie verletzlich selbst die reichen Industrienationen seien, so dass sie sich einen zweimonatigen Lockdown nicht leisten könnten. Ulrike Christl sah alle Länder vor der großen Aufgabe, so etwas in Zukunft zu verhindern und Dunja Sadaqi erhoffte sich, dass der afrikanische Kontinent nicht weiter so unterschätzt werden solle wie bisher. Der Spannende Diskussionsabend über die eigenen Grenzen hinweg wurde unterstützt von der Evangelischen Akademie.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

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