Rückblick Müssen Journalisten auch Lösungen aufzeigen?

In Kooperation mit:

Zu Gast

Henrik Kaufholz
Senior Reporter bei "Politiken" in Kopenhagen und Vorsitzender des European Center for Press and Media Freedom

Foto © Privat

Dr. phil. Leif Kramp
Forschungskoordinator des Zentrums für Medien, Kommunikations- und Informationsforschung an der Universität Bremen

Foto © Beate C. Köhler

Maren Urner
Professorin für Medienpsychologie an der HMKW Köln und Gründerin / ehem. Chefredakteurin von "Perspective Daily"

Foto © jungblut/büssemeier


Moderation

Tamara Marszalkowski
FPC Vorstandsmitglied

Foto © Barbara Walzer

Die lösungsorientierte Recherche

Clubabend zum konstruktiven Journalismus


Konstruktiver Journalismus ist nicht identisch mit positivem Journalismus, der mit guten Nachrichten ein Wohlgefühl verbreiten möchte. Da diese beiden Arten des Journalismus oft miteinander verwechselt werden, war den Podiumsteilnehmern des FPC-Clubabends die klare Unterscheidung sehr wichtig. Schon in der einleitenden Kurzpräsentation einer entsprechenden Studie der Otto-Brenner-Stiftung machte Leif Kramp, Mitautor der Untersuchung, deutlich, dass es sich um einen ganzheitlichen Ansatz von Journalismus handele. Nach der herkömmlichen Recherche eines Themas stehe dann die Frage: Was nun? Wie soll es weitergehen, wo arbeitet jemand an einer Lösung des Problems? Es gehe jedoch nicht darum, dass die Journalistinnen und Journalisten sich selber Lösungen ausdenken müssten.

Das Thema liegt international seit etwa zwei Jahren in der Luft und beschäftigt viele Redaktionen. In zahlreichen Ländern gibt es eigen Netzwerke, die sich mit dem konstruktiven Journalismus auseinandersetzen. In Deutschland experimentieren unter anderem die Tagesschau, ZEIT-Online, das SZ-Magazin und der NDR mit dieser journalistischen Form. Das Online-Magazin Perspective Daily, das Podiumsteilnehmerin Maren Urner mitgegründet hat, will ausschließlich konstruktiv arbeiten. Allerdings gibt es in Deutschland kein Netzwerk und keine konzertierte Aktion für den konstruktiven Journalismus, das Thema liegt laut Kramp weitgehend in den Händen einzelner Redakteure und stößt in den großen Redaktionen immer noch auf erhebliche Skepsis. Bei den Studierenden steige das Interesse am konstruktiven Journalismus zwar stark, doch bis heute schlage sich das Thema nicht in den Curricula der entsprechenden Ausbildungseinrichtungen nieder.

Moderatorin Tamara Marszalkowski wollte wissen, wie sich dieser Journalismus von reinem Aktivismus abgrenze. Urner erläuterte, die Redakteure seien keine Akteure, sondern es gehe um lösungsorientierte Recherche und die Frage, wie es weiter gehen könne, also „was jetzt?“. Das bedeute aber nicht, sich mit einer Sache gemein zu machen. Sie fragte sich, warum man überhaupt berichte, wenn man sich nicht um das Morgen kümmere. Henrik Kaufholz, Reporter bei "Politiken" in Kopenhagen berichtete, aus seiner Redaktion hätten zwei Kollegen jeweils zwei Semester in Aarhus bei dem Constructive Institute studiert, was jetzt in die tägliche Arbeit einfließe. Eine wichtige Voraussetzung für konstruktive Recherche sei, dass der Journalist das jeweilige Fachgebiet gut kenne und wisse, wo, wer an Lösungen arbeite. Zum Thema Rechtspopulisten meinte Kaufholz, es sei in Schweden falsch gewesen, mit diesen Politikern nicht zu reden und sie tot zu schweigen. Notwendig sei eine sachbezogene Auseinandersetzung mit diesen Positionen. Kaufholz zitierte eine Umfrage, der zufolge in Dänemark rund 60 Prozent der Medienkonsumenten die Berichterstattung als zu stark konfliktorientiert beurteilten. Nach seiner Auffassung müssen sich die Redaktionen von der Plus-Minus-Recherche verabschieden, womit er meinte, dass routinemäßig die Position und die Gegenposition erfragt werde. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Leserinnen und Leser die veränderte Berichterstattung zu schätzen wissen und das Interesse an der Zeitung wieder gewachsen sei. Der Club-Abend war ein sehr differenziertes Plädoyer dafür, die bisherigen Richtlinien für Redaktionen „Only bad news are good news“ in Frage zu stellen, und einen Umdenkungsprozess einzuleiten.


Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal


Text mü

Mitglied im FPC werden

Newsletter abonnieren

Kein Mitglied im FPC und trotzdem möchten Sie keine unserer Veranstaltungen verpassen? Dann werden Sie jetzt Teil des FPC Netzwerkes! Registrieren Sie sich einfach unter dem angegeben Link.

Hier geht es zur Registrierung!

Tagungsräume mieten

Tagungsort Broschüre

Soziale Netzwerke

Franz

Kontakt

069 71379609

E-Mail schreiben

Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 11.30 - 2.00 Uhr
und Sonntag: 18.00 - 2.00 Uhr
Samstag ist Ruhetag