Zu Gast

Karsten Frerichs
Chefredakteur Evangelischer Pressedienst

Foto © epd-bild/Heike Lyding

Stefan Niggemeier
Freier Journalist und Herausgeber von Bildblog und Übermedien

Foto © Jan Zappner

Die Journalisten sind dem Leser Rechenschaft schuldig

Stefan Niggemeier und Karsten Frerichs im Gespräch über die Causa Relotius

 

Mehr Transparenz der journalistischen Arbeit hat sich der Medienjournalist Stefan Niggemeier während des Clubabends zu dem Betrugsfall Relotius gewünscht. Vor dem dicht gedrängten Publikum meinte Niggemeier, die Journalisten müssten mit Werkstattberichten einen besseren Einblick in ihre Arbeit geben. Dazu gehöre auch zu schreiben, was man nicht wisse. Schließlich sei der Verfasser eines Artikels dem Leser Rechenschaft schuldig. Karsten Frerichs, Chefredakteur der epd, hatte als Moderator die Frage aufgeworfen, ob denn nun nach dem spektakulären Betrugsfall die gesamte Presse am Pranger stehe.

Natürlich sprach Niggemeier auch pro domo als er mehr Medienkritik anmahnte. Bis heute habe es den Ruch des Unanständigen, wenn eine Zeitung eine andere kritisiere. Die Fehlerkultur habe selbst in großen Medien bis vor einigen Jahren noch zu wünschen lassen. So sei es früher im Spiegel, für den Niggemeier eine Zeit lang gearbeitet hat, kaum möglich gewesen, einen selbst entdeckten Fehler zu korrigieren. Es habe die feste Regel bestanden, Fehler nur zu berichtigen, wenn es dazu einen Leserbrief gegeben habe.

Über die Dokumentationsabteilung des Spiegel formulierte Niggemeier eine zwiespältige Meinung. Zu seinen Zeiten beim Spiegel habe er diese Abteilung geliebt und gehasst. Als einzige Stelle in dem ganzen Haus, die gegen den Text arbeite, habe sie jede Übertreibung angemahnt. Auf der anderen Seite zeigte der Medienjournalist Unverständnis dafür, dass bei den Reportagen von Relotius die vielen kleinen Unstimmigkeiten nicht bemerkt worden seien. Die Dokumentation der zahlreichen Fehler in den Artikeln von Relotius auf Spiegel-Online sei vernichtend, auch wenn es löblich sei, dies publik zu machen.

Was es über die Redaktion aussage, wenn nur ein Journalist im Hause eine aufwändige Gegenrecherche anstelle und dabei noch auf massiven Widerstand stoße, wollte Frerichs wissen. Niggemeier sah darin eine zweifelhafte Unternehmenskultur. Es sei für ihn erschütternd, wie viel man hätte bemerken und überprüfen können. Für problematisch hielt er auch den Umgang des Spiegel mit Nachfragen von anderen Journalisten. Es sei stets kommuniziert worden, man solle von weiteren Nachfragen absehen, die Redaktion arbeite das Thema auf. Jedes andere Unternehmen, das sich so verhalte, stehe sofort am Pranger. Niggemeier wandte sich gegen den Vorwurf eines bedeutenden Verlegers, bei dem Fall Relotius handele es sich um ein Problem der politischen Haltung, weil dieser alle Klischees bedient habe. Relotius habe für zahlreiche andere Medien gearbeitet und dabei stets das geschrieben, was die Blätter haben wollten, ganz unabhängig von politischen Meinungen.


Text: mü

Fotos: Rainer Rüffer


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