Rueckblick Clubabend US-Wahlen

Unser Gast

Mathias Müller von Blumencron
Chefredakteur digitale Produkte der FAZ

Foto © Rainer Rüffer

 


Rückblick: Amerika wählt Trump – Über Wut, Hass und Unzufriedenheit

Als am Morgen des 09.11.2016 gegen 08:30 Uhr deutscher Zeit feststand, dass Donald J. Trump neuer Präsident der USA werden würde, waren viele Bürger, darunter ein Großteil der Journalisten und etablierten Medien, schockiert. Bis zuletzt hatte man vermutet, dass Hillary Clinton das Rennen machen würde. Auf die vielen Fragen, die nach dieser Wahl im Raum standen, gab Mathias Müller von Blumencron, Digital-Chef der FAZ, uns an diesem Abend Antwort. Wie konnten sich all die Meinungsforscher irren? Und wie konnte Trump trotz all der Skandal-Tweets und verbaler Feuer die Amerikaner von sich überzeugen? Die selbstkritische Rolle der Medien in diesem schmutzigen Wahlkampf machte von Blumencron immer wieder zum Thema. Statt „genau hinzusehen“ haben die Medien die Sorgen der Bürger verkannt. Man habe sich zu sehr auf das eigene Wunschdenken verlassen, statt mitten hineinzugehen. In Wut, Trotz und Auflehnung. Der „populistische Rebell“ Trump habe auf seine Andersartigkeit gesetzt und authentisch gewirkt. In einem vom Establishment enttäuschten Amerika verzeihe man auch den ein oder anderen Fehltritt. Viel wichtiger sei den Menschen ihre Überzeugung, dass ihre jetzige Regierung und damit auch die Medien die Probleme weder ansprechen noch lösen. In Amerika habe man genug von Korruption und Lobbyarbeit. Der durchschnittliche Trump-Wähler sei müde und unsäglich wütend.

Trumps Andersartigkeit, betont von Blumencron immer wieder, habe für das Zündfeuer innerhalb der sozialen Medien gesorgt. Trotz vergleichsweise niedrigen Wahlkampfbudgets (Clinton hat in etwa das Dreifache ausgegeben) schaffte er es, die „Erregbarkeit“ der Wähler für sich zu nutzen. Facebook, Twitter und Co. haben laut von Blumencron maßgeblich zu Wahlentscheidung beigetragen. Der digitale Stammtisch hat die Wütenden vernetzt. Doch was wird schlussendlich aus dieser Wut, wenn Trump sein Amt im Januar antritt? Wird sie sich in Rauch auflösen oder immer mehr aufbäumen? Mathias Müller von Blumencron ist sich sicher, dass Trump seine Klientel weiter bedienen wird. Auch die so viel gescholtenen Medien werden trotz Trumps Ablehnung und der seiner Wähler mit dem neuen Präsidenten klarkommen. Die Meinungsfreiheit ist ein hoch geschütztes Gut innerhalb einer demokratischen Gesellschaft. Selbst ein Donald J. Trump würde sich nicht an sie heranwagen.

Von Blumencron schlägt an diesem Abend auch wiederholt die Brücke nach Deutschland. Auch bei uns sind die Populisten auf dem Vormarsch. Das Wahlergebnis in den USA könne die hiesigen Anhänger von AFD und Co. ermutigen, ihre Partei voranzubringen. In einer ohnehin schon schwierigen Zeit für Medien und ihre Vertreter sollten wir die Wogen glätten und uns nicht anstecken lassen von Wut, Rückschritt und postfaktischer Hysterie.

Trotz der entscheidenden Rolle, mit welcher die sozialen Medien zu diesem fatalen Ergebnis beigetragen haben, distanziert sich von Blumencron ganz deutlich von einer Dämonisierung der neuen Medien. Auch wenn sie über eine enorme emotionale Macht verfügten, so bieten sie doch auch Chancen für Print und Rundfunk. So könnten die traditionellen Medien ihre Reichweite enorm vergrößern und den Leserdialog vertiefen.

Mathias Müller von Blumencron entwickelt an diesem Abend eine positive Prognose für die in- und ausländischen Medien unserer Zeit. Trotz des Entsetzens und des Unverständnisses, gebe es weiterhin Grund zur Hoffnung. Journalistisch und menschlich.

Text: Natalia Warkentin

Fotos © Rainer Rüffer


Mitglied im FPC werden

Newsletter abonnieren

Kein Mitglied im FPC und trotzdem möchten Sie keine unserer Veranstaltungen verpassen? Dann werden Sie jetzt Teil des FPC Netzwerkes! Registrieren Sie sich einfach unter dem angegeben Link.

Hier geht es zur Registrierung!

Tagungsräume mieten

Tagungsort Broschüre

Soziale Netzwerke

Franz

Kontakt

069 71379609

E-Mail schreiben

Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 11.30 - 2.00 Uhr
und Sonntag: 18.00 - 2.00 Uhr
Samstag ist Ruhetag